Warum Fracking keine Option ist

Die Energiekrise lässt uns derzeit nach Alternativen zu russischem Gas suchen. In manchen Ländern wird diskutiert, das Fracking-Verfahren anzuwenden, um Gas zu fördern. In Österreich will Klimaschutzministerin Leonore Gewessler diese Methode verbieten. Doch was ist Fracking überhaupt und was bedeutet es für die Umwelt? Das FREDA Magazin beantwortet die wichtigsten Fragen.

Worum handelt es sich bei Fracking überhaupt?

Fracking ist ein Verfahren, mit dem sowohl Erdgas als auch Erdöl gefördert werden kann. Dafür wird das sogenannte Fracking-Fluid, ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien, unter hohem Druck in sehr tief liegendes Gestein gepresst. Durch den Druck entstehen viele kleine Risse im Gestein. Diese Risse ermöglichen es dem Gas, leichter in die Bohrlöcher zu strömen und gefördert zu werden. Das Ziel ist es, die Poren im Gestein zu erweitern, um den Zugang zu dem Gas zu erleichtern. Das Wasser und der Sand halten die Risse offen und ermöglichen es dem Gas, leichter zu strömen. Die Flüssigkeit, die vorher hineingepumpt wird, strömt dann mit dem Gas wieder an die Oberfläche. Das wird Flowback genannt und ist ein giftiges Gemisch. Es kann neben gelösten Salzen auch Reste von Quecksilber, Arsen und Kohlenwasserstoffen wie Benzol enthalten.

Wo wird Fracking angewendet?

Diese Methode kommt bei nicht-konventionellen Erdgasvorkommen zum Einsatz. Das bedeutet, dass das Gas nicht in natürlichen Hohlräumen vorkommt, sondern in schwerer zu erschließenden Gesteinsschichten. An diese Vorkommen gelangt man eben nur, wenn man das Gestein aufbricht. Nicht-konventionelles Erdgas zu fördern, ist viel aufwendiger als die konventionelle Methode. Denn man muss nicht nur vertikal in die Tiefe bohren. Hat man das Gestein, in dem sich das Erdgas befindet, erreicht, muss man horizontal weiterbohren. Währenddessen wird auch das Fracking-Fluid in den Boden gepumpt, damit die Risse im Gestein entstehen.

Fracking
Gegenüberstellung von Fracking und der konventionellen Erdgasförderung. © AdobeStock
Fracking wird von vielen Seiten kritisiert. Warum ist dieses Verfahren problematisch?

Es handelt sich dabei um ein Verfahren, das der Umwelt schadet. Zum einen wird in diesem Gewinnungsprozess viel Methan freigesetzt. Dieses Gas ist ein 80-fach stärkeres Treibhausgas als CO2. Es ist für ein Drittel der weltweiten Erderhitzung verantwortlich. Beim Fracking wird Methan in sämtlichen Phasen unkontrolliert freigesetzt: in der Erkundungs- und Erschließungsphase, in der Förderungs- und Verarbeitungsphase und bei der Verarbeitung des Erdgases. Zusätzlich kann Methan bei Schäden an Bohrlöchern entweichen.

Zum anderen werden hohe Mengen Wasser benötigt. Gemeinsam mit schädlichen Chemikalien wird dieses in das Gestein gepresst. Daher wird für Fracking nicht nur Wasser verschwendet, es besteht sogar die Gefahr, dass dadurch Grund- und Trinkwasser verunreinigt werden.

Ist Green Fracking weniger umweltschädlich?

Green Fracking ist ein Verfahren, das bereits vor über zehn Jahren an der Montanuniversität Leoben entwickelt wurde. Es verspricht eine umweltfreundlichere Zusammensetzung des Fracking-Fluids aus Sand, Keramik, Glaskügelchen, Kalk, Zitronensäure und Maisstärke. Der Rest des Verfahrens bleibt aber eine Gefahr. Auch durch diese Methode wird Methan freigesetzt sowie viel Wasser und Energie verbraucht. Außerdem konnte dieses Verfahren in der Praxis noch nicht erfolgreich eingesetzt werden.

Wie schaut es derzeit in Österreich aus? Ist Fracking hier ein Thema?

Fracking ist hierzulande nicht verboten, wurde bisher aber auch nicht angewendet. In der Vergangenheit war es aber bereits Thema. Im nördlichen Weinviertel gibt es Gasvorkommen, die auf diese Art gefördert werden könnten. Entdeckt wurden diese 2012. Die OMV hat damals Probebohrungen geplant, ist aber auf massiven Widerstand von Bürger:innen und Umweltschützer:innen gestoßen. Die Politik hat darauf reagiert und österreichweit Umweltverträglichkeitsprüfungen für solche Bohrungen vorgeschrieben. Die OMV hat ihre Pläne zurückgezogen. Das Erdgas wurde bisher nicht angerührt. Wegen der Energiekrise werden aktuell Alternativen zu russischem Gas diskutiert. Der deutsche Finanzminister Christian Lindnder zum Beispiel will das dort geltende Fracking-Verbot aufheben. In Österreich will Klimaschutzministerin Leonore Gewessler hingegen Fracking komplett verbieten. Die Gasvorkommen im nördlichen Weinviertel würden damit unangetastet bleiben. Koalitionspartner ÖVP muss erst überzeugt werden.

Wie wird Fracking in anderen Ländern gehandhabt?

In vielen Staaten wird Fracking angewendet. Ein Beispiel sind die USA, die sogar als Vorreiter gelten. Seit Mitte der 2000er Jahre sind die USA wegen dieser Form der Erdgasförderung zum größten Erdgasproduzenten der Welt aufgestiegen. In vielen EU-Staaten wie Deutschland und Spanien verboten. In Großbritannien wurde Fracking verboten, weil es nach Bohrungen in den Jahren 2018 und 2019 zu mehreren hundert Erdbeben gekommen ist. Aufgrund der aktuellen Energiekrise wird in vielen Staaten diese Fördermethode allerdings wieder vermehrt diskutiert.

Würde uns Fracking in der aktuellen Energiekrise wirklich helfen?

Es würde uns nicht helfen. Würde man zum Beispiel beschließen, das niederösterreichische Gas zu fördern, würde es rund zehn Jahre dauern, bis das Projekt umgesetzt ist. Das hilft uns in der aktuellen Energiekrise gar nichts. Zudem hat sich Österreich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Das heißt auch, dass Energie nicht mehr aus fossilen Rohstoffen gewonnen werden darf. Statt Fracking-Projekte umzusetzen, müssen daher Erneuerbare Energien verstärkt ausgebaut werden. Nur so kann die Energieversorgung langfristig gesichert werden.

Über die/den Autor:In

Nicole Frisch
Nicole Frisch
Nicole studiert Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Das Ziel: Die Weltpolitik verstehen – und das Verstandene mit möglichst vielen Menschen teilen. Ihren Weg in den Journalismus hat sie über die NÖN gefunden. Ihre Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Migration und Vergangenheitspolitik.

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