Scan & Replace: Apps fürs Klima

Smartphone raus und Barcode scannen: um Inhaltsstoffe nachzulesen, Hersteller:innen zu erkennen oder alternative Produkte vorgeschlagen zu bekommen, gibt es mittlerweile zahlreiche Apps auf dem Handy. Solche Scan-Apps sind nicht nur praktisch, sondern verhelfen auch zu einem nachhaltigen Lebensstil – wie zum Beispiel bei der Kaufentscheidung.

Um andersrum problematische oder klimaschädliche Produkte zu meiden, ist es vorteilhaft, auch die Hersteller:innen darüber zu informieren. Nur so kann sich auch tatsächlich etwas ändern. Hier setzen zwei Apps an:

  1. Replace PalmOil: Hiermit können palmölhaltige Produkte gescannt werden, wodurch ein Feedback direkt an die Hersteller geschickt wird.
  2. Replace Plastic: Sie hilft dir, Unternehmen darüber zu informieren, dass dich Plastikverpackungen stören und fordert sie dazu auf, auf Plastik zu verzichten.

Aber warum ist das so wichtig?

Palmöl – Eine Bedrohung für den Regenwald

Palmöl ist das weltweit günstigste und am häufigsten verwendete Pflanzenöl. Es steckt in zahlreichen Supermarktprodukten, von Shampoo bis hin zu Keksen. Die Herstellung von Palmöl hat jedoch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt: Für riesige Palmölplantagen wird immer mehr Regenwald abgeholzt, was katastrophale Folgen für Mensch, Natur und Klima hat. Die Zerstörung der Regenwälder vernichtet wichtige Lebensräume und verdrängt seltene Tier- und Pflanzenarten. Um Platz für Ölplantagen zu schaffen, wird oft mit Brandrodung gearbeitet und Torfböden werden trockengelegt. Beide Praktiken zerstören wichtige Kohlenstoffspeicher und Lebensräume für viele Arten. Die App ist vom Verein „Orang-Utans in Not“ entwickelt worden. Denn die gestiegene Nachfrage nach Palmöl hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einem großen Rückgang der Orang-Utan-Population geführt. Die im Regenwald lebenden Tiere verlieren durch die Abholzung ihr Zuhause und wichtigste Nahrungsquelle.

Nachhaltigkeit und Transparenz: Lösungsansätze

Die Abholzung des Regenwaldes könnte vermieden werden, wenn Unternehmen ausschließlich Palmöl von Lieferanten beziehen würden, die keinen Regenwald zerstören. Auch nachhaltig zertifiziertes Palmöl kann derzeit nicht garantieren, dass dafür kein Regenwald abgeholzt wurde, da die Zertifizierungssysteme oft unzureichend sind.

Alternativen prüfen: „Replace PalmOil“ – App

Die App „Replace PalmOil“ soll helfen, die Regenwaldzerstörung für die Palmölproduktion zu stoppen. Nutzer:innen können den Barcode palmölhaltiger Lebensmittel scannen und den Unternehmen mitteilen, dass sie gegen die Verwendung von Palmöl sind, wenn dafür Regenwald zerstört wurde. Dieses Feedback wird an die entsprechenden Hersteller weitergeleitet.

Wichtig ist, nur Barcodes von Lebensmitteln zu scannen, die Palmöl, Palmfett oder Palmkerne enthalten, wie in der Inhaltsstoffliste angegeben. Die App nutzt Daten der Code-Check-App zu problematischen Lebensmittelinhaltsstoffen, um bewussteres Konsumverhalten zu fördern und Druck auf die Hersteller auszuüben.

Palmölfreie Alternativen finden

Es geht auch ohne Palmöl: Auf der Website von „Replace PalmOil“ sind Hersteller:innen aufgelistet, die auf Palmfett verzichten. Für fast jedes Produkt gibt es palmölfreie Alternativen, weshalb die App einen Einkaufsführer für palmölfreies Einkaufen entwickelt hat.

Durch bewussten Konsum und die Nutzung von Tools wie „Replace PalmOil“ können wir alle dazu beitragen, die Regenwaldzerstörung zu stoppen und nachhaltigere Alternativen zu unterstützen.

 

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Plastikmüll im Meer – Ein wachsendes Problem

Plastik ist ein allgegenwärtiger Bestandteil unseres Alltags, doch Plastikmüll hat in den Ozeanen ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Plastikverpackungen und andere Kunststoffabfälle, die in die Umwelt gelangen, können dort Jahrhunderte überdauern. Da Plastik sich nicht biologisch abbaut, sondern in immer kleinere Teile zerfällt, stellt es eine erhebliche Bedrohung für zahlreiche Meereslebewesen dar.

Plastikverschmutzung: Von den Flüssen ins Meer

Ein großer Teil des Plastikmülls gelangt über Flüsse vom Land ins Meer. Insbesondere Verpackungen für Produkte des täglichen Bedarfs tragen maßgeblich zu diesem Problem bei. Diese Abfälle sammeln sich in großen Müllstrudeln in den Ozeanen und verursachen weitreichende Umweltschäden.

Druck auf Hersteller:innen erhöhen

Die App „Replace Plastic“ bietet eine innovative Lösung zur Bekämpfung des Plastikproblems. Nutzer:innen können die Verpackungen von Produkten scannen und den Herstellern mitteilen, dass sie umweltfreundliche, plastikfreie Alternativen bevorzugen. Dieses gesammelte Feedback wird an die Hersteller weitergeleitet, um den Druck zur Entwicklung abbaubarer Materialien und alternativer Verpackungen zu erhöhen.

Durch die Nutzung der App „Replace Plastic“ können Verbraucher aktiv dazu beitragen, den Einsatz von Plastik zu reduzieren und umweltfreundliche Verpackungslösungen zu fördern.

Zusätzlich zeigt die App, falls verfügbar, anders verpackte Alternativen oder DIY-Anleitungen.

Hinter der App steht der gemeinnützige Verein „Küste gegen Plastik“, der sich für den Umweltschutz an der Küste, insbesondere gegen die Verschmutzung durch Plastik, einsetzt. Zusätzlich organisiert der Verein regelmäßige Müllsammelaktionen an der Nordseeküste und arbeitet daran, das Bewusstsein für die Problematik der Plastikverschmutzung zu erhöhen.

Konsumbewusstsein

Ein bewusster Konsum, sei es bei Palmöl oder Plastik, spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Klimakrise. Auch wenn es nicht immer einfach ist, gibt es zahlreiche überzeugende Gründe, warum sich der Aufwand lohnt:

Treibhausgasemissionen reduzieren

Viele Produkte, vor allem aus der Landwirtschaft und Industrie, sind mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden. Zum Beispiel verursacht die Fleischproduktion wesentlich mehr CO₂ und Methan als pflanzliche Lebensmittel. Durch den bewussten Kauf von klimafreundlichen Produkten kann jeder seinen CO₂-Fußabdruck erheblich verkleinern.

Schutz natürlicher Ressourcen

Ein bewusster Konsum trägt dazu bei, den Verbrauch natürlicher Ressourcen wie Wasser, Boden und fossile Brennstoffe zu minimieren. Produkte, die weniger Ressourcen benötigen oder aus nachhaltigen Quellen stammen, helfen, natürliche Lebensräume zu erhalten.

Förderung nachhaltiger Produktionsweisen

Nachhaltige Produktionsmethoden umfassen die Herstellung von Produkten unter umweltfreundlichen Bedingungen. Dies schließt die Unterstützung von Unternehmen ein, die erneuerbare Energien, Recycling und umweltfreundliche Materialien nutzen.

Abfall vermeiden

Ein bewusster Konsum bedeutet auch, weniger Müll zu produzieren. Einwegverpackungen, besonders Plastik, tragen erheblich zur Umweltverschmutzung bei. Der Kauf von Produkten mit minimaler oder nachhaltiger Verpackung reduziert die Abfallmenge. Viele Städte bieten inzwischen auch verpackungsfreie Supermärkte an. Es lohnt sich, nach dem nächsten Unverpackt-Laden in der Nähe zu suchen.

Ethische Praktiken unterstützen

Nachhaltige Produkte stehen oft für faire Arbeitsbedingungen und ethische Produktionspraktiken. Indem man solche Produkte bevorzugt, fördert man nicht nur den Umweltschutz, sondern auch die soziale Gerechtigkeit.

Umweltzerstörung reduzieren

Der Abbau von Rohstoffen und die Produktion von Konsumgütern können erhebliche Umweltschäden verursachen, wie Abholzung, Bodendegradation und Verlust der Biodiversität. Durch bewussten Konsum kann man diese negativen Auswirkungen minimieren, indem man die Nachfrage nach umweltbelastenden Produkten verringert.

Nachfrage nach nachhaltigen Produkten stärken

Konsument:innen haben die Macht, Märkte zu verändern. Eine erhöhte Nachfrage nach nachhaltigen Produkten führt dazu, dass mehr Unternehmen in umweltfreundliche Technologien und Prozesse investieren, was wiederum das Angebot an umweltfreundlichen Produkten erhöht.

Durch bewussten Konsum können wir alle einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten und eine nachhaltigere Zukunft fördern.

Natürlich lässt sich die Verantwortung nicht auf die Endkonsument:innen schieben. Unternehmen und die Politik sind hier zum dringenden Handeln aufgefordert. Daher ist es so wichtig, diese zu informieren und Druck auszuüben. Die Scan-Apps sind dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Über die/den Autor:In

Julia Zander
Julia Zander
Julia studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien und sprang danach direkt in die Medienwelt. Sie ist vor oder hinter der Kamera zu sehen. Ihr Ziel ist es, Geschichten zu erzählen, die Menschen inspirieren. Zuletzt arbeitete sie beim PULS4 Nachhaltigkeitsmagazin KLIMAHELDiNNEN.

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