Kärntens Energiewende braucht Sonne und Wind

Kärnten hat die besten Voraussetzungen, wenn es darum geht, sich gänzlich mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Wasserkraft und Biomasse sei Dank! Die aktuelle Produktion reicht allerdings nicht aus, um den Bedarf das ganze Jahr über zu decken. Deshalb braucht es auch Solar- und Windenergie, um einen Energiemix zu schaffen.

Herrliche Berg- und Seelandschaften und nahezu das ganze Jahr Sonnenschein: Kärnten, ein Paradies nicht nur für Naturliebhaber:innern, sondern auch für erneuerbare Energien. Dank einer Vielzahl an natürlichen Ressourcen ist das Bundesland der ideale Ort für die Nutzung erneuerbarer Energieträger wie Solarenergie. Seit Jahren wird bei der Energiegewinnung deshalb der Fokus auch auf alternative, erneuerbare und nachhaltige Technologien gelegt. Mit Erfolg: Der Anteil erneuerbarer Energien liegt mittlerweile bei 58,8 Prozent, österreichweit liegt er lediglich bei 36,5 Prozent. Zu verdanken ist diese Vorreiterrolle auch dem 2014 entworfenem Energiemasterplan, der als Hauptziel die Klimaneutralität Kärntens bis 2040 hat. Um das Ziel noch rechtzeitig zu erreichen, braucht es laut Olga Voglauer, Landessprecherin der Kärntner Grünen sowie Sprecherin für Land- und Forstwirtschaft, noch weitere Maßnahmen – vor allem im Ausbau von Photovoltaikanlagen und Windrädern.

Aktuelle Stromproduktion aus fossilen und erneuerbaren Energieträgern in Kärnten. Quelle: Global 2000

Deswegen hat Kärnten so viel Potenzial:

Wie bereits erwähnt, ist Kärnten ein wahres Naturjuwel, dank dessen Seen und Flüssen, Gebirgsketten und Wäldern jede Menge erneuerbare Energie produziert werden kann. Das geht so weit, dass Kärnten theoretisch seinen gesamten Energiebedarf mit grüner Energie decken könnte. Zu verdanken ist das vor allem der Wasserkraft und Bioenergie:

  • Erneuerbarer Strom durch Wasserkraft

Kärnten produziert mehr erneuerbare Energie aus Wasser als jedes andere Bundesland. Das liegt daran, dass Kärnten das wasserreichste Bundesland Österreichs ist. Die Geschichte der Wasserkraftwerke ist daher auch schon sehr alt. Das erste Kraftwerk hat es bereits 1894 in der Nähe von Spittal an der Drau gegeben: Ein kleines Kraftwerk, dass die nahe gelegene Papierfabrik mit Strom versorgte. Mittlerweile gibt es rund 540 Wasserkraftanlagen, die etwa 90 Prozent des Gesamtstrombedarfs des Bundeslandes decken.

  • Holz hält Kärnten warm

Wenn es um die Wärme in Kärntens Haushalte geht, spielt Biomasse eine wichtige Rolle. Das liegt vor allem daran, dass mehr als die Hälfte des Bundeslandes bewaldet ist. Holz gehört deshalb zu den wichtigsten erneuerbaren Ressourcen. Holzabfällen wie Waldhackgut oder Sägenebenprodukte nutzt man, um Biomasse herzustellen. Diese dient anschließend als Brennstoff, um Strom und Wärme zu erzeugen. Mittlerweile werden so bereits 55 Prozent aller Kärntner Haushalte durch die Energie aus Biomasse warmgehalten.

Warum braucht es einen Energiemix?

Klingt nicht nur gut, ist es auch. Für die autarke Versorgung aus erneuerbaren Quellen ist es allerdings bei Weitem nicht ausreichend. Denn die bestehenden erneuerbaren Energieträger sind großen Schwankungen unterworfen: Jede dieser Technologien produziert einmal mehr und einmal weniger Energie. Wasserkraft beispielsweise kann sehr unberechenbar sein: Während im Sommer manchmal so viel Wasser fließt, dass Kärnten seinen überschüssigen Strom sogar in die Nachbarländer exportieren kann, ist die Stromproduktion im Winter zu gering. Dürreperioden oder andere Extremwetterereignissen wirken sich im Sommer ebenfalls negativ auf die Energieversorgung aus.

Ähnlich ist es auch mit Biomasse. Der Klimawandel bedroht die Wälder in Kärnten durch zunehmende Trockenheit, höhere Temperaturen und vermehrte Schädlingsbefall. Dies kann zu einem Anstieg von Waldbränden, Waldsterben und einem Rückgang der Artenvielfalt führen. Man sollte sich daher nicht ausschließlich auf Biomasse als erneuerbare Energiequelle verlassen, da die Nutzung von Holz aus Wäldern das Waldsterben und die Abholzung verstärken kann. Zudem ist Holz viel zu schade, um es nur für Biomasse zu nutzen.

Damit sich das Bundesland das gesamte Jahr, zu jedem Zeitpunkt und zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgen kann, braucht es daher einen Energiemix: Als sonnenreichstes Bundesland liegt der Fokus vor allem auf PV-Anlagen für die sonnigen Monate, kombiniert mit Windrädern für die sonnenarme Jahreszeit. Für einen raschen Ausbau bedarf es hier allerdings einer deutlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen.

Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage. © Adobe Stock
Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage. © Adobe Stock
PV-Anlagen am Vormarsch

Kärnten hat eine gute geografische Lage und ist dank der vielen Sonnentage für die Nutzung von Solarenergie besonders attraktiv. Genutzt wird das Potenzial bisher kaum. Das liegt vor allem daran, dass im Land heftig diskutiert wird, wo PV-Anlagen überhaupt gebaut und aufgestellt werden dürfen.

„Kärnten ist Österreichs Sonnenland Nummer 1. Wir müssen das endlich nutzen.“

Denn obwohl PV-Anlagen sowohl auf Dächern, Fassaden als auch frei stehend auf dem Boden sehr gut funktionieren, genehmigt das Land Freiflächenanlagen nur in Ausnahmefällen. Während die Kärntner Grünen dies kritisieren, befürchtet Umweltlandesrätin Sara Schaar, dass dadurch wertvolle Grün- und Agrarflächen zugebaut werden. Dabei gibt es in Kärnten viele ungenützte Brachflächen, triste Parkplatzwüsten oder zubetonierte Böden entlang der Autobahnen oder Zugstrecken, die ideal für PV-Anlagen wären.

Laut einer Studie des Kärntner Umweltanwalts hat Kärnten das Potenzial, bis zu acht Terawattstunden Strom pro Jahr durch Photovoltaik zu produzieren. Das entspricht rund 50 Prozent des gesamten Strombedarfs des Bundeslands. Möglich soll das nun auch das angepasste Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz des Bundes machen. 2022 hat die Regierung das Gesetz speziell an den Ausbau von PV-Anlagen angepasst und mit Fördermaßnahmen erweitert. Den eigenen Strom und die eigene Wärme dezentral und vor Ort zu erzeugen, wird seitdem für viele Privatpersonen wie Betriebe viel einfacher. „Kärnten ist Österreichs Sonnenland Nummer 1. Wir müssen das endlich nutzen.“, sagt Olga Voglauer von den Grünen. „Wichtig ist es, das EAG voranzutreiben, damit keine Fläche ungenutzt bleibt und triste Parkplatzwüsten vor Supermärkten zu Energiequelle für Sonnenstrom werden.“ Das gilt auch für den Bau von Windrädern.

Sauber, heimisch, günstig: Windenergie

„Windräder in Kärnten? Gibt’s nicht, brauch ma nicht!“ Bisher war das die Meinung vieler Kärntner Landespolitiker:innen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es im ganzen Bundesland nur zwei Windräder gibt. Dabei zählt Kärnten zu den wichtigsten Bundesländern, wenn es um die Energiegewinnung aus Windkraft geht. Vor allem im Winter wäre Windenergie ein großer Segen. Denn im Winter kommt es aufgrund des hohen Stromverbrauchs immer wieder zu Strom-Engpässen. Windenergie könnte dieses Defizit ausgleichen. Zudem ist Windenergie für leistbare Strompreise und den raschen Ersatz von Erdgas die kostengünstigste Alternative.

Dennoch gibt es vonseiten der Politik als auch von Bürgerinitiativen Widerstand. So sehen viele, wie auch Harald Trettenbrein, FPÖ-Abgeordneter aus Lavanttal, im Bau von Windrädern einen brutalen Eingriff in die weitgehend unberührte Natur- und Bergwelt. Ein Ausbau sei laut ihm sinnlos, wenn man dadurch Natur und Almwirtschaft zerstört. Im Vergleich zu anderen Technologien wie Biomasseanlagen oder PV-Anlagen verursachen Windkraftanlagen keine schädlichen Emissionen wie Smog oder Treibhausgase. Windräder haben auch einen langen Lebenszyklus, durchschnittlich etwa 20 Jahre. Ist dieser abgelaufen, kann das Windrad rasch und umweltverträglich wieder abgebaut werden. Dadurch entsteht am Standort der Anlage auch kein dauerhafter Schaden.

Naturschützer:innen fordern aber, dass Windanlagen weder in Naturschutzgebieten errichtet werden, noch an Rastplätzen von Zugvögeln, um die Tiere nicht zu gefährden. Um diese Forderungen auch die der Anrainer:innen beim Bau miteinzubeziehen, gibt es die Windkraft-Standort-Räumeverordnung.

  • Windkraftstandort-Räumeverordnung sorgt für Wandel

Die Windkraftstandort-Räumeverordnung besagt: Die Anliegen der Anrainer:innen sowie landschaftliche, touristische und ökologische Aspekte müssen bei der Standortauswahl und beim Bau berücksichtigt werden. Dann kann der Bau losgehen.

„Um die Energiewende zu schaffen, benötigt Kärnten 150 Windräder.“

Mit der Verordnungsnovelle ist es gelungen, allen Ansprüchen gerecht zu werden – sie ermöglicht einerseits einen Ausbau der Windkraft und gleichzeitig schützt sie wertvolle Naturräume. Und die Verordnung wirkt: mittlerweile sind in Kärnten drei Standorte freigegeben worden: Koralpe, Soboth und Kuchalm, an denen bereits 22 Anlagen genehmigt sind. Insgesamt will man 50 Anlagen errichten. „Um die Energiewende zu schaffen, benötigt Kärnten 150 Windräder. Deshalb braucht es beim Ausbau mehr Tempo. Gleichzeitig muss auf die Natur- und den Artenschutz sowie die Interessen von Anwohner:innen geachtet werden“, erklärt Voglauer. Dem steht jedoch eine Sichtbarkeitsverordnung im Weg: Windräder dürfen aus 25 Kilometern Entfernung nicht mehr sichtbar sein. Das macht den Ausbau um einiges komplizierter, aber nicht unmöglich.

Fazit: Spitzenreiter mit Platz nach oben

Auch wenn Kärnten österreichweit große Erfolge in der nachhaltigen Energiegewinnung aufweisen kann, muss noch viel getan werden. Einige Aspekte, die bisher möglicherweise verabsäumt wurden, könnten sein:

  • Bürger:innen an der Energiewende beteiligen: Um die Energiewende voranzutreiben, ist es wichtig, dass möglichst viele Bürger:innen beteiligt sind und auch davon profitieren. Deshalb will Voglauer Bürger:innen-Projekte bei Wind- und Solarparks fördern und Gemeinden an den Einnahmen aus den Erneuerbaren-Anlagen beteiligen.
  • Förderungen anbieten und kombinieren: Damit der Tausch von Ölheizungen auf nachhaltige Systeme erfolgt, sollte laut den Kärntner Grünen mehr gefördert werden. In Kärnten gibt es beispielsweise seit 2022 das Impulsprogramm „Raus aus fossilen Brennstoffen“, das finanzielle Zuschüsse bis zu 6.000 Euro anbietet. Bundesweit gibt es das Förderprogramm „Raus aus Öl und Gas“, das Bürger:innen bis zu 5.000 Euro unterstützt. Antragsteller:innen können beiden Förderungen auch kombinieren.
  • Ans Kärntner Stromnetz anschließen: Erneuerbare Energien unterliegen natürlichen Schwankungen und können unvorhersehbar sein. Um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sollte man die erzeugte Energie in das Stromnetz integrieren. Eine stärkere Anbindung an das überregionale Stromnetz und der Einsatz von Speichertechnologien könnten hier helfen.
  • Aufklären, um Bewusstsein zu schaffen: „Aufklärung ist wichtig, deshalb wollen wir Beratungsangebote für erneuerbare Energiegemeinschaften und Bürger:innen-Energiegemeinschaften schaffen“, so Voglauer.
  • Nein zur Energieverschwendung: Die sauberste, günstigste und beste Energie ist jene, die wir nicht verbrauchen. Das heißt, Energiesparen so gut es geht. Beispielsweise könnte man die Straßenbeleuchtung flächendeckend auf LED umgestellt oder nachts reduzieren.

Kurz gesagt, damit wir die Klimaziele noch schaffen, müssen wir jetzt handeln. Wichtig dabei ist vor allem, dass Bundesland, Bund und Bevölkerung am gleichen Strang ziehen.

Über die/den Autor:In

Linda Weidinger
Linda Weidinger
Linda hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie CREOLE an der Uni Wien studiert. Die letzten Jahre arbeitete sie als Journalistin und Social Media-Redakteurin. Ihr Ziel: Die Menschen aufzuklären. Ihr Traum: eine offene, tierliebe und tolerante Gesellschaft. Ihre Schwerpunkte: Gerechtigkeit, Klima- und Umweltschutz.

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