Neues Volksbegehren: Bürger:innen gegen den Bauwahn

Aus grün wird grau: Kärnten ist absoluter Spitzenreiter, wenn es darum geht, Böden zu versiegeln. Ein Häuserkomplex reiht sich an den nächsten. Wiesen müssen Straßen weichen und Äcker werden zu Supermärkten, Parkplätzen und Gewerbeflächen. Bodenversiegelung ist eines der größten ökologischen Probleme unserer Zeit. Ein Volksbegehren soll das nun aufhalten.

Nahezu alles, was wir essen, wird auf Böden angebaut. Zudem speichern unverbaute Böden extrem viel CO₂, sorgen für sauberes Trinkwasser, schützen vor Umweltkatastrophen wie Hochwässer, Murenabgängen oder Lawinen und bieten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Darüber hinaus sind gesunde Böden eine Grundlage für lebenswerte Regionen und prägen unser Landschaftsbild.

In Kärnten werden die gesunden Böden jedoch nach und nach versiegelt. Bereits ein Viertel der besiedelbaren Flächen sind verbaut. So ist Kärnten nach Wien und Niederösterreich das Bundesland mit den meisten versiegelten Flächen und täglich kommen neue hinzu. Das Bodenvolksbegehren will den Bauwahn aufhalten und eine verbindliche Bodenschutzstrategie im Raumordnungsgesetz verankern. Aktuell befindet es sich in der Unterstützungsphase.

Kärnten betoniert sich zu

Ein Hektar an Freifläche wird pro Tag betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt und somit versiegelt. Das geht so weit, dass häufig alte Supermärkte nicht renoviert werden, sondern am Standort daneben komplett neue errichtet werden. Das alte Gebäude bleibt bestehen und verwahrlost oder wird kurzerhand zum Parkplatz. Zudem werden moderne Häuserkomplexe und Wohnsiedlungen im Übermaß gebaut – auch in dünn besiedelten Gegenden. Viele dieser Wohnungen oder Häuser bleiben leer, da es keinen Bedarf an den Wohnungen gibt oder diese als Zweitwohnsitz genutzt werden. Denn immer mehr ausländische Immobilienmarkler:innen kaufen heimischen Grund und Boden für Zweitwohnsitze. Das treibt den Immobilienpreis in Kärnten in die Höhe. Die Folge: Wohnen wird für Einheimische immer teurer. Zudem kosten Zweitwohnsitze den Gemeinden viel Geld: Neue Häuser benötigen neue Straßen, Kanal- und Verkehrsanbindungen wie Bushaltestellen und auch Freizeitangebote. Umgekehrt bringen Zweitwohnbesitzer:innen der Gemeinde kaum etwas ein, da sie nur gelegentlich vor Ort sind, aber nicht wohnen oder arbeiten.

Stichtag 21. März 2022: Bodenverbrauchs-Ziel erreicht

Vor 20 Jahren hat Österreich ein Nachhaltigkeitsgesetz beschlossen, das den jährlichen Bodenverbauch in ganz Österreich auf maximal 2,5 Hektar pro Tag begrenzen soll. Seit Jahren wird dieser Wert allerdings kontinuierlich überschritten. So hat Österreich für 2022 die Grenze von 2,5 Hektar pro Tag bereits am 21. März erreicht, das Bauen geht allerdings weiter. Vor allem in Kärnten.

Kärnten hat einen doppelt so hohen Pro-Kopf-Verbrauch an Boden wie der österreichische Durchschnitt.

Kärnten versiegelt einen Hektar Freifläche pro Tag. Das ist so viel, wie laut der Umweltschutzorganisation WWF ganz Österreich an einem Tag verbauen sollte. Kaum zu glauben, im Bundesland der vielen Berge und Seen. Denn durch den hohen alpinen Anteil und der vielen Gewässer gibt es in Kärnten nur begrenzt nutzbares Land. Doch überall, wo gebaut werden kann, wird auch gebaut. Im restlichen Land schaut es nicht viel besser aus: Laut Umweltbundesamt (2021) werden in ganz Österreich pro Tag zwölf Fußballfelder versiegelt.

Mit Unterschriften der Bodenversiegelung den Kampf ansagen

Die Auswirkungen der jahrzehntelangen rücksichtslosen Bebauung sind schon jetzt zu spüren: Überschwemmungen, Hitzeperioden, schlechte Ernten…! Um den nächsten Generationen einen Lebensraum zu hinterlassen, der sauberes Trinkwasser, gesunde Lebensmittel und eine große Artenvielfalt bietet, muss jetzt etwas getan werden, erklärt Olga Voglauer, Grüne Nationalratsabgeordnete und Initiatorin des Volksbegehrens zum Bodenschutz. Gemeinsam mit Gabriele Hadl, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin und Gemeinderätin der Grünen in Pörtschach und den Grünen Kärnten sagen sie der Versiegelung den Kampf an.

Das Volksbergehren fordert vom Land Kärnten:
  • Fruchtbare Ackerböden Kärntens schützen und Flächenfraß stoppen. Denn unsere Äcker zu schützen heißt, an unser Brot für morgen zu denken.
  • Chalet-Dörfer und Zweitwohnsitz-Burgen per Gesetz verbieten.
  • Bodenschutzstrategie gesetzlich verankern und einen Zielwert des täglichen Bodenverbrauchs in Kärnten festschreiben. *
Jede Stimme zählt

Das Bodenvolksbegehren ist in seiner Anfangsphase. Das heißt, um Fall für den Landtag zu werden, benötigt es 7.500 Stimmen.

Wer sich beteiligen möchte, so funktioniert’s:

  • Auf in die nächste Gemeinde oder zum Meldeamt
  • Unterstützungserklärung unterschreiben und bestätigen lassen
  • Ans Bodenvolksbegehren schicken und die Bodenversiegelung stoppen:
    Bodenvolksbegehren
    Bahnhofstraße 38A
    9020 Klagenfurt

* Im Herbst 2021 ist im Rahmen der ersten Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) seit zehn Jahren der Startschuss für die Bodenschutzstrategie gefallen. Die Strategie soll bis Herbst 2022 gemeinsam von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden beschlossen werden. Ziel ist, bis 2030 den Bodenverbrauch um 80 Prozent auf 2,5 Hektar zu reduzieren. Allerdings ist die Bodenstrategie nur eine Empfehlung und kein Gesetz, was viele NGO’s wie WWF und auch das Volksbegehren stark bemängeln. Deshalb fordert das Bodenvolksbegehren, dass die Bodenschutzstrategie eine verbindliche Obergrenze für den Flächenfraß und einen konkreten Maßnahmenkatalog beinhaltet.

Über die/den Autor:In

Linda Weidinger
Linda Weidinger
Linda hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie CREOLE an der Uni Wien studiert. Die letzten Jahre arbeitete sie als Journalistin und Social Media-Redakteurin. Ihr Ziel: Die Menschen aufzuklären. Ihr Traum: eine offene, tierliebe und tolerante Gesellschaft. Ihre Schwerpunkte: Gerechtigkeit, Klima- und Umweltschutz.

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