Weltklimakonferenz: Ergebnisse sind enttäuschend

Mit enttäuschenden Ergebnissen ist am Sonntag die Weltklimakonferenz zu Ende gegangen. Es gibt keine konkreten Pläne, wie die Treibhausgase künftig reduziert werden sollen. Kleiner Lichtblick ist die Einigung auf einen Entschädigungsfonds für ärmere Länder, die am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen sind. Doch auch da sind noch viele Fragen offen.

Die Zeit drängt. Wir bekommen die Folgen der Klimakrise immer mehr zu spüren. Es müssen Maßnahmen gesetzt werden, damit unser Planet auch in Zukunft noch lebenswert ist. Doch bei der Weltklimakonferenz (COP27) in Ägypten konnten sich die rund 200 Teilnehmerstaaten gerade einmal auf ein Minimalergebnis einigen. „Das Ergebnis ist enttäuschend. Bei der Emissionsreduktion sind wir keinen wesentlichen Schritt vorangekommen. Zu vielen Ländern fehlt noch der Mut für mehr Entschlossenheit und Tempo beim Klimaschutz“, schlussfolgert Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

Kein Plan, um Treibhausgase zu reduzieren

Der Ausstoß von Treibhausgasen ist auf dem höchsten Stand. Einen konkreten Plan, wie diese reduziert werden können, sucht man im Abschlussbericht der COP27 jedoch vergeblich. Und das, obwohl man mittlerweile weiß, dass die vom Menschen verursachte Zunahme der Treibhausgase dazu führt, dass sich die Erde aufheizt – und zwar schneller als sich Ökosysteme anpassen können. Bei der COP27 haben die Staaten indes gerade einmal die frühere Entscheidung, Schritt für Schritt aus Kohle auszusteigen, bekräftigt. „Die erzielte Einigung bei der COP27 ist ernüchternd. Es ist nicht gelungen, sich auf ambitioniertere Ziele im Bereich der Emissionsreduktionen zu einigen. Die Welt ist nicht auf dem richtigen Kurs. Ich habe den Eindruck, vielen ist nicht klar, dass unsere Existenz auf dem Spiel steht“, schreibt Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf Twitter.

Die Staaten halten zwar am 1,5 Grad-Ziel fest. Doch daran festhalten reicht nicht aus, um es auch zu erreichen. Nähergekommen ist man dem 1,5 Grad-Ziel bei der COP27 jedenfalls nicht. Dafür wäre ein Ausstieg aus fossilen Energieträgern mehr als notwendig. Stattdessen erreichen viele Staaten immer noch nicht die Klimaziele. Und uns läuft die Zeit davon.

Entschädigungsfonds soll eingerichtet werden

Auf eine Sache konnten sich die Staaten dann aber doch einigen. Es soll ein Geldtopf eingerichtet werden, um die Länder des Globalen Südens, die am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen sind, finanziell zu unterstützen. Denn durch die Klimakrise werden Extremwetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen und Stürme häufiger. Enorme Bedrohungen sind auch der Anstieg des Meeresspiegels und Verwüstungen. Davon betroffen sind im Moment vor allem Länder des Globalen Südens, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben und denen finanzielle Mittel fehlen, um sich anzupassen und Schäden zu kompensieren. Erst im Sommer waren große Teile Pakistans überschwemmt, 1.500 Menschen haben dabei ihr Leben verloren. In Ostafrika herrscht die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten, die Menschen leiden Hunger.

Dass sich die Staaten auf diesen Entschädigungsfonds geeinigt haben, ist ein gutes Zeichen. Einfach waren die Verhandlungen aber nicht. Erst nach Druck der als G77 bekannten Gruppe, die sich aus 130 Ländern des Globalen Südens zusammensetzt, kam es zu dieser Entscheidung. Die USA haben den Entschädigungsfonds zunächst blockiert, auch die Europäische Union hat anfangs eine zurückhaltende Position eingenommen.

Details werden erst 2023 geklärt

Viele Details zum Entschädigungsfonds sind aber noch offen. So bleibt unklar, wer wie viel in diesen Topf einzahlt. Besprochen wird das erst bei der nächsten Weltklimakonferenz 2023 in Dubai. Bis dahin wird also kein Geld aus diesem Fonds fließen, um die ärmeren Länder finanziell zu unterstützen.

Begünstigt werden sollen jedenfalls jene Länder des Globalen Südens, die am stärksten gefährdet sind. Umstritten ist, ob China ein Empfängerland sein wird. Das asiatische Schwellenland beharrt zwar darauf. Die westlichen Industrienationen sehen das jedoch anders. Da China seine Wirtschaft industrialisiert, verursacht es sehr hohe Treibhausgasemissionen. Zudem verweisen die Industrienationen auf die Wirtschaftskraft Chinas.

Staaten sollen Klimaschutzpläne nachbessern

Es werden als keine einfachen Verhandlungen bei der nächsten Weltklimakonferenz werden. Bis dahin haben sich die teilnehmenden Staaten auch eine Hausaufgabe gegeben. Spätestens bis zur COP28 in Dubai sollen sie ihre Klimaschutzpläne nachbessern. Diese sind Großteils nämlich nicht ausreichend. Es ist eine freiwillige Aufgabe.

Über die/den Autor:In

Nicole Frisch
Nicole Frisch
Nicole studiert Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Das Ziel: Die Weltpolitik verstehen – und das Verstandene mit möglichst vielen Menschen teilen. Ihren Weg in den Journalismus hat sie über die NÖN gefunden. Ihre Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Migration und Vergangenheitspolitik.

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