Bewegender Umweltaktivismus

Proteste der Umweltbewegung haben die Geschichte der Zweiten Republik maßgeblich mitgeprägt. Sie verhinderten die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf und den Bau eines Wasserkraftwerks bei der Hainburger Au. Sie erwirkten Gesetze, die die Umwelt schützen. Das Volkskundemuseum widmet der österreichischen Umweltbewegung nun eine eigene Ausstellung. Erzählt wird die Geschichte von den Umweltaktivist:innen selbst.

Was haben ein Taucheranzug, eine Sturmlampe und ein Teehäferl, das aussieht, als wäre es aus Kaisers Zeiten, im Volkskundemuseum zu suchen? Auf den ersten Blick könnte man meinen: Nicht viel. Um also eine Antwort darauf zu bekommen, müssen wir einen Blick in die Geschichte der österreichischen Umweltbewegung werfen. Genau das macht die Sonderausstellung „Von Zwentendorf zu CO2: Kämpfe der Umweltbewegung in Österreich“. Der Taucheranzug, die Sturmlampe und das Teehäferl kamen bei Protestaktionen gegen Industrieabwässer in Flüssen und der Besetzung der Hainburger Au zum Einsatz, in der Ausstellung sind sie nun Statisten. Sie ergänzen Audioaufnahmen. Denn erzählt wird die Geschichte von jenen, die dabei waren: den Umweltaktivist:innen.

Umweltaktivist:innen erzählen
Umweltbewegung
Der Taucheranzug kam bei Aktionen gegen Industrieabwässer zum Einsatz. © Christa Knott/ Volkskundemuseum

Wie Peter Weish. Er arbeitete als junger Naturwissenschaftler im atomaren Forschungszentrum in Seibersdorf, entwickelte sich aber zum Atomkraftgegner. In den 1970er Jahren setzte er sich daher aktiv gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf ein. Oder Annemarie Höferle. In ihrem Haus in Stopfenreuth befand sich 1984 die Zentrale der Besetzer:innen der Hainburger Au. Wolfgang Pekny hielt indes die Stellung am Heavy Weather Point, jenes Lager in der Au, das am stärksten Wind und Wetter ausgesetzt war. Später machte er als Abwasserrohr-Taucher auf die Verschmutzung von Flüssen durch Industrieabwasser aufmerksam. Rudolfine Nemeth hat in den 1970er und 1980er Jahren mit der Wiener Naturschutzjugend Baustellen besetzt, um Lurche, Molche und Wechselkröten zu schützen. Baustellen werden auch heute noch besetzt. Zum Beispiel in der Lobau. Jutta Matysek von der Bürgerinitiative „Rettet die Lobau – Natur statt Beton“ erzählt von den unterschiedlichen Rahmenbedingungen zwischen 1984 und heute.

Gesellschaftliche Auseinandersetzung ermöglichen

Es sind insgesamt 17 Umweltaktivist:innen, die uns in fünf Hörstationen an ihrem Aktivismus und ihren Erinnerungen teilhaben lassen. Damit wir besser verstehen, was sie bewegt hat und warum sie sich für den Umweltschutz eingesetzt haben. Die Kurator:innen Sophia Rut, Julia Vitouch, Herbert Justnik und Thomas Marschall spannen dabei einen weiten Bogen: vom Atomkraftwerk Zwentendorf über den Kampf gegen illegale Deponien und giftige Industrieabwässer bis in die Gegenwart zu Fridays for Future. Die umweltpolitischen Proteste haben die Entwicklung Österreichs nach 1945 stark beeinflusst. Dennoch ist diese Geschichte vielfach ungeschrieben, sie wurde vor allem mündlich weitererzählt. Mit der Ausstellung will man nun auch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber möglich machen.

Umweltbewegung
Fridays for Future organisieren weltweite Klimastreiks. © Christopher Glanzl
Eigene Erinnerungen teilen

Es gibt daher auch eine Mitmach-Station in der Ausstellung. Die Besucher:innen können sich nicht nur die Geschichten von Umweltaktivist:innen anhören, sondern auch selbst ihre Erinnerungen an Umweltschutz und Umweltbewegungen aufnehmen. Diese werden dann in die Ausstellung eingespeist, womit diese von Tag zu Tag reicher an Geschichten und Erinnerungen wird.

Eröffnung mit Konzert

Eröffnet wird die Ausstellung „Von Zwentendorf zu CO2: Kämpfe der Umweltbewegung in Österreich“ am Donnerstag, den 19. Jänner. Ab 17 Uhr erzählen Musikerin Beatrix Neundlinger, Amina Guggenbichler von „Erde brennt“, Global 2000-Geschäftsführerin Agnes Zauner und Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit von ihrem Engagement und Erinnerungen. Im Anschluss gibt Neundlinger mit ihrer Band „9ndlinger und die geringfügig Beschäftigten“ ein Konzert.

Die Ausstellung läuft von 20. Jänner bis 26. März und kann zu den Öffnungszeiten des Volkskundemuseums besucht werden. Es werden Führungen angeboten, für Schulklassen gibt es ein Kulturvermittlungsprogramm.

Über die/den Autor:In

Nicole Frisch
Nicole Frisch
Nicole studiert Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Das Ziel: Die Weltpolitik verstehen – und das Verstandene mit möglichst vielen Menschen teilen. Ihren Weg in den Journalismus hat sie über die NÖN gefunden. Ihre Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Migration und Vergangenheitspolitik.

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