Buchtipp: Klimaschutz ist Menschenschutz

Kann uns Storytelling aus der Klimakrise führen? Autor Michael Adler argumentiert in seinem neusten Buch mit einem lauten Ja.

In „Klimaschutz ist Menschenschutz“ geht es weder um humanitäre Klimakatastrophen noch um Menschenrechte – auch wenn der Titel das nahelegt. Das Buch erzählt von der Macht der Worte und Geschichten. Sie prägen unser Denken, auch wenn wir das nicht immer bemerken. Kommunikationsprofi Michael Adler beschreibt in „Klimaschutz ist Menschenschutz“, wie wir Worte und Geschichten nutzen können, um beim Klimaschutz als Gesellschaft voranzukommen.

Der Nachhaltigkeitsbewegung fehlt eine Moonlanding Speech

“We choose to go to the moon, not because it is easy, but because it is hard.” Dieses Zitat stammt aus einer Rede von J.F. Kennedy. Sie ist heute als Moonlanding Speech bekannt, weil Kennedy darin auf geschickte Weise die amerikanische Bevölkerung für die geplante Mondmission begeistert hat. Eine kommunikative Meisterleistung, denn immerhin verschlang die Mondmission Unmengen an Geld und versprach keinen handfesten Nutzen für die Bevölkerung.

Michael Adler führt die Moonlanding Speech als Beispiel für die Macht von visionären Geschichten an. In dem Kennedy betonte, man müsse zum Mond, gerade weil es so herausfordernd ist, machte er die Mission zu einer ganz besonderen Aufgabe. Eine Aufgabe, der nur ein geeintes, starkes Land gewachsen wäre. Adler ist der Meinung, dass der Nachhaltigkeitsbewegung genau eine solche Rede fehlt. Eine Rede, die Menschen darauf einstimmt, dass es schwierig werden wird – aber, dass es sich lohnt, die Herausforderung gemeinsam anzupacken. Eine solche visionäre Erzählung hätte das Potenzial Menschen zu motivieren und sie auf die größte Herausforderung unserer Zivilisation einzustimmen.

Reden wir über die schöne Zukunft und das gute Leben

In seinem Buch stellt Adler der bisherigen Kommunikation über die Klimakrise kein gutes Zeugnis aus. Die meisten Artikel und TV-Berichte würden davon handeln, was Klimaschutz kostet und was wir zukünftig alles nicht tun dürfen. Das löse in Menschen aber negative Gefühle aus, so Adler. Menschen wollen aber positive Geschichten hören, sie wollen von einer besseren Zukunft erzählt bekommen und schöne Bilder vor Augen haben. Nur dann wären sie bereit, Anstrengungen auf sich zu nehmen. Und ohne Anstrengungen wird es keine nachhaltige Transformation geben, in keinem Bereich.

Warum die Wahl der Worte so wichtig ist

Worte beeinflussen nicht nur unser Denken, sondern auch unser Tun. Diese These untermauert Michael Adler im Buch mit zahlreichen wissenschaftlichen Texten. Dass der Mensch sachlich und vernünftig handle, sei ein gut belegter Irrglaube. Nur zwei Prozent aller Entscheidungen folgen bewussten Überlegungen und Abwägungen. Deswegen seien objektive Fakten und gut recherchiertes Wissen allein zu wenig, wenn wir über die Klimakrise sprechen, argumentiert Adler. Entscheidend für unser Verhalten sind immer Gefühle.

Was Menschen wirklich zum Handeln bewegt

Wer die wecken soll, der ist gut mit Storytelling beraten. Seit langer Zeit sind Menschen fasziniert von Geschichten.  Bereits vor der Erfindung des Buchdrucks haben unsere Vorfahren wichtige Informationen in Form von Geschichten weitergegeben. Und bis heute lernen wir über Geschichten deutlich leichter. Fakten, die in Geschichten verpackt sind, finden wir nicht nur spannender, wir merken sie uns auch besser. Schafft es eine Geschichte auch tiefe Gefühle zu wecken, kann sie große Auswirkungen auf unser Handeln haben.

Wann immer Klimaschutz und Nachhaltigkeit also Thema ist – auf der Familiencouch, am Bartisch oder im Meetingraum – wer Menschen für nachhaltige Veränderungen gewinnen will, sollte positive Bilder und Gefühle in ihren Köpfen erzeugen. Das zeigt Michael Adler in seinem Buch kurzweilig auf.

„Klimaschutz ist Menschenschutz“ von Michael Adler ist 2023 im oekom-Verlag erschienen.

Über die/den Autor:In

Markus Englisch
Markus Englisch
Markus studierte TV- und Medienproduktion in Wien. Sein größter Antrieb als Journalist ist es, die Klimakrise für alle Menschen begreifbar zu machen. Zuletzt war er als Redakteur bei PULS 4 tätig und leitete das Nachhaltigkeitsmagazin KLIMAHELDiNNEN.

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