Der Anfang vom Ende fossiler Energien

Update zum Artikel vom 14.12.2023 nach der COP-Abschlusserklärung:

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Ursprünglicher Artikel vom 27.11.2023

Das könnt ihr von der Weltklimakonferenz erwarten

Vom 30. November bis 12. Dezember geht die nächste Klimakonferenz in Dubai über die Bühne. Was dürfen wir uns diesmal erwarten? Wir haben für euch zusammengefasst, was im Vorfeld über die COP28 bekannt ist und welche Ergebnisse zumindest wahrscheinlich sind.

2023 wird die Welt einen Rekord brechen. Die Rede ist hier aber keineswegs von einem Erfolg, sondern von einem besorgniserregenden Negativrekord. Schon jetzt steht fest: Dieses Jahr wird das wärmste seit 125.000 Jahren. Das hat der EU-Klimawandeldienst errechnet. Und wenn es so weitergeht, werden noch viele weitere Rekorde kommen. Derzeit steuert die Erde auf eine Erhitzung von 2,5 bis 2,9 Grad zu, zeigt der Emissions Gap Report der Vereinten Nationen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Wir brauchen Veränderung. Und zwar schnell. Angesichts der enttäuschenden Klimakonferenz in Ägypten blicken viele Menschen aber mit wenig Erwartungen auf die COP28. Und trotzdem: Eine so große Konferenz ist ein mächtiger Hebel im Kampf gegen die Klimakrise. Also lasst uns einen Blick nach Dubai werfen.

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In Dubai gibt es eine große Premiere

Dieses Jahr ist es schwieriger denn je vorherzusagen, welche Einigungen zustande kommen könnten. Denn es kommt ein neuer Faktor ins Spiel, den es so noch nie gab. Das erste Mal wird über den Global Stocktake gesprochen. Merkt euch das Wort, es wird in den nächsten Wochen oft fallen. Um zu erklären, was es bedeutet, müssen wir kurz ausholen.

2015 wurde in Paris mit dem 1,5 Grad-Obergrenze ein wichtiges Ziel formuliert. Und wie bei jedem anderen Ziel auch, muss man regelmäßig kontrollieren, ob man auf Kurs ist und die notwendigen Fortschritte macht. Deswegen wurde in Paris nicht nur das eigentliche Ziel beschlossen, sondern auch der Global Stocktake, kurz GST.

Stocktake heißt Bestandsaufnahme. Und das ist im Wesentlichen, was passiert. Alle fünf Jahre sieht sich die Wissenschaft an, ob die Weltgemeinschaft die Erderhitzung so verringern konnte, wie es in Paris beschlossen wurde. Die Grundlage für diese Bestandsaufnahme liefern die Berichte des Weltklimarates (IPCC).

Zurück zur Klimakonferenz. Die Ergebnisse des ersten Global Stocktake werden auf der COP28 präsentiert. Kurzum: In Dubai ist Zeugnistag. Man muss die konkreten Ergebnisse nicht kennen, um zu wissen, dass die Menschheit kein Einserzeugnis ausgeteilt bekommt. Wir sind weit vom Pfad der Pariser Klimaziele abgekommen. Auf der COP28 wird sich zeigen, wie die Länder auf dieses alarmierende Zeugnis reagieren.

Hoffnung auf Verschärfung nationaler Klimaziele

Und das bringt uns auch schon zum nächsten Thema der COP28. Und auch hier müssen wir kurz ausholen und einen Sprung zurück nach Paris machen.

2015 wurden zwar große Ziele beschlossen, aber den Ländern wurde sehr viel Spielraum gelassen, wie sie diese Ziele im eigenen Land umsetzen möchten. Jedes Land definiert seine eigenen Klimaziele. Die sogenannten Nationally Determined Contributions, kurz NDC. Auch diesen Begriff werdet ihr in den nächsten Wochen wohl oft hören.

Warum? Weil der Stocktake klar zeigen wird, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend wirken. Und das heißt: Alle Länder müssen ihre nationalen Klimaziele verschärfen, um sie im Einklang mit dem 1,5 Grad-Ziel zu bringen.

Manche Beobachter:innen gehen davon aus, dass die COP28 dadurch ein Wendepunkt wird und die Länder fortan deutlich ambitionierter an Klimaschutz herangehen.

Geld für geschädigte Staaten

Das im Vorfeld am meisten diskutierte Thema ist ein Geldtopf für Verluste und Schäden. Inwieweit müssen reiche Länder mit historisch riesigen CO₂-Emissionen für Schäden und Verluste aufkommen, die durch die Klimakrise entstehen?

Diese Frage wollen vor allem Länder des globalen Südens diskutieren. Denn die Schäden und Verluste durch die Klimakrise entstehen vor allem bei ihnen – obwohl sie kaum etwas zur Klimakrise beigetragen haben. Diese Ungerechtigkeit soll ein Geldtopf ausgleichen.

Auf der letzten Klimakonferenz in Ägypten hat man sich zwar prinzipiell darauf geeinigt, dass es diesen Geldtopf geben soll – den sogenannten Loss & Damage-Fonds. Reiche Industrieländer sollen einzahlen und geschädigte Entwicklungsländer dürfen sich Geld herausnehmen.

Aber: Wer genau wie viel einzahlt und welche Länder sich wann aus dem Topf Geld nehmen dürfen, ist noch nicht geklärt. Werden auch reiche Entwicklungsländer wie der Gastgeber, die Vereinigten Arabischen Emirate etwas beitragen? Was ist mit China, einem riesigen Schwellenland mit enormen Emissionen?

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Loss & Damage-Fonds kommt wahrscheinlich zur Weltbank

Antworten auf diese Fragen wird es nach der COP28 geben, Empfehlungen gibt es aber schon jetzt. Zwischen den beiden Klimakonferenzen haben bereits Verhandlungen stattgefunden. Weitgehend von der Weltöffentlichkeit unbeobachtet hat der sogenannte Übergangsausschuss für Schäden und Verluste Anfang November Empfehlungen formuliert.

So soll der Geldtopf zum Beispiel anfangs bei der Weltbank angesiedelt sein. Das sehen viele Länder kritisch. Außerdem empfiehlt der Ausschuss, Länder ausschließlich über politischen und moralischen Druck zur Zahlung zu verpflichten. Eine echte völkerrechtliche Verpflichtung soll es nicht geben. Die Empfehlungen werden während der COP28 jedenfalls mit den nationalen Regierungen diskutiert.

Beobachter:innen gehen davon aus, dass der Loss & Damage-Fonds ein Knackpunkt für die ganze Konferenz sein wird. Wenn die reichen Industrieländer hier ihr Versprechen an den globalen Süden nicht halten, können auch wichtige Einigungen bei anderen Themen scheitern.

Atomkraft wird ein großes Thema

Seit Mitte November wissen wir zudem, dass auch Atomkraft eine größere Rolle bei der COP28 einnehmen wird. Sechs Länder haben sich zu einer Allianz für Atomkraft zusammengeschlossen. Frankreich, Großbritannien, die USA, Schweden, Südkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Diese Länder wollen auf der Konferenz vorschlagen, dass bis zum Jahr 2050 die Menge an Atomenergie verdreifacht wird. Andere Länder sollen sich dieser Idee anschließen. Die offizielle Erklärung zu diesem Vorschlag stellen die Länder am 2. Dezember auf der Konferenz vor. Hier ist der Ausgang völlig offen, denn beim Thema Atomkraft sind die Fronten verhärtet.

Einigung beim Ausbau von Erneuerbaren wahrscheinlich

Deutlich weniger strittig ist eine andere Form der Energiegewinnung. Beobachter:innen erwarten, dass ein deutlicher Ausbau von erneuerbaren Energien beschlossen wird. Die Rede ist von einer Verdreifachung der weltweiten Kapazitäten bis 2030, das entspräche 11.000 Gigawatt. Hier scheint eine Einigung sehr wahrscheinlich.

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Kein Ausstieg aus fossilen Brennstoffen erwartet

Ein Knackpunkt hierbei ist, ob die zusätzlichen Erneuerbaren fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas ersetzen, oder einfach eine gesteigerte Energienachfrage decken. Denn nur ein gleichzeitiger fossiler Ausstieg würde die so dringend Reduktion von klimaschädlichen Gasen bewirken. Ein solcher Ausstieg scheint aber 2023 unwahrscheinlich. Nicht zuletzt, weil der Vorsitzende der Konferenz, Sultan Al Jaber, gleichzeitig Chef der staatlichen Ölgesellschaft der Emirate ist. Ein irrwitziger Interessenskonflikt, der dem Ruf der Klimakonferenz schadet.

Dass Klimakonferenzen Meilensteine hervorbringen können, hat sich 2015 in Paris gezeigt. Das Pariser Klimaabkommen war eine ambitionierte Verpflichtung mit harten Zahlen – im Gegensatz zu den vagen Absichtserklärungen des letzten Jahres in Ägypten. Ob Dubai zum nächsten Paris wird oder ähnlich enttäuscht wie Ägypten, lässt sich schwer sagen. Der Global Stocktake macht aber zumindest Hoffnung. Die alarmierenden Ergebnisse könnten ein Wendepunkt sein.

Über die/den Autor:In

Markus Englisch
Markus Englisch
Markus studierte TV- und Medienproduktion in Wien. Sein größter Antrieb als Journalist ist es, die Klimakrise für alle Menschen begreifbar zu machen. Zuletzt war er als Redakteur bei PULS 4 tätig und leitete das Nachhaltigkeitsmagazin KLIMAHELDiNNEN.

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