Haus ohne Beton

Haus bauen geht auch ohne Beton und Bodenversiegelung. Das steht dann auf Schraubfundamenten und hat eine Fassade aus Holz. Wie jenes von Rudi Takacs in Breitenfurt. 

Geht man die Dr. Kasimir Graff-Gasse in Breitenfurt hoch, sticht ein Haus aus der Menge hervor. Es steht auf Ständern und die Fassade ist aus Holz. Gewöhnliche Einfamilienhäuser in einer niederösterreichischen Siedlung sehen jedenfalls anders aus. Die stehen am Boden auf einem Betonfundament. Und die haben eine gelbe, blaue oder weiße Fassade. Das Haus von Rudi Takacs und seiner Familie ist aber auch kein gewöhnliches niederösterreichisches Einfamilienhaus. Holz und Lehm halten es zusammen, Beton findet man keinen.

Schrauben statt Beton

Ein gewöhnliches Einfamilienhaus zu bauen, war aber auch nicht der Anspruch von Rudi Takacs. „Wir haben gewusst, wir brauchen mehr Platz, wollten aber gleichzeitig nicht konventionell bauen, sondern so, wie wir eben Materialien gernhaben und so wie wir gerne auf lange Sicht leben würden. Darum hat sich das Haus dann so nach unseren Vorstellungen ergeben“, erzählt er. Dass das Haus ausschaut, wie es heute ausschaut, war aber nicht von Anfang an klar. Es wurde immer wieder umgeplant – weil andere Methoden und Materialien für den Standort besser geeignet waren oder auch einfach aus Kostengründen.

Ergeben hat sich zum Beispiel das Schraubenfundament. Ursprünglich hat sich Familie Takacs ein Betonfundament angesehen. Wenn man mit Holz baut, muss man aber sehr genau sein. Das Problem bei Betonfundamenten: Wenn sich der Boden setzt, verändert sich auch das Fundament, je nach Qualität unterschiedlich stark. Ein Holzhaus bringen aber bereits kleine Ungenauigkeiten aus der Form. Es wurde nicht betoniert, stattdessen wurden 36 lange Schrauben in den Boden getrieben. Auf diesen liegt die Holzplatte, auf der das Haus steht. Takacs: „Das war das Simpelste, was man machen konnte.“

Haus ohne Beton
Das Haus ohne Beton steht auf einer Holzplatte, die von 36 Schrauben getragen wird. © Nicole Frisch
Pflegeleichtes Haus

Dass das Haus anders ist, riecht man auch. Wenn man durch die Eingangstüre geht, kommt einem bereits ein angenehmer Holzgeruch entgegen. Die Familie Takacs hat sich bereits daran gewöhnt. Nur wenn sie länger weg waren, zum Beispiel im Urlaub, riechen auch die Bewohner:innen wieder das Holz. Die Räume sind hell und wirken warm. Die Kombination aus Holz und Lehm gibt ein stimmiges Bild ab – und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Zwischen 65 und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen im Haus. In anderen Einfamilienhäusern würde sich bereits Schimmel bilden. „Bei unseren Materialien, die sehr natürlich und unbehandelt sind, gibt es das alles nicht. Da gibt es keine Feuchtigkeit, keine Schimmelbildung. Das funktioniert sehr gut“, sagt Takacs. Die Luftfeuchtigkeit tut ihm und seiner Familie gut. Und auch die Pflanzen fühlen sich wohl. Ihre Blätter sind grün, sie ranken sich durch die Küche.

Wenn einmal der Lehmputz an einer Stelle abbröckelt, trägt in Takacs einfach neu auf und verreibt das Ganze. „Wenn ein Loch in der Wand ist, ist das in drei Minuten repariert. Ich muss nicht ausmalen, ich muss keinen großen Aufwand betreiben“, hält Takacs fest. Auch Schäden am Holzboden lassen sich einfach beheben. Die Sonne bleicht Flecken mit der Zeit aus. Druckstellen stellen sich wieder auf, wenn man mit Wasser aufwäscht.

Haus ohne Beton
Die hohe Luftfeuchtigkeit im Haus ohne Beton lässt die Pflanzen gut gedeihen. © Nicole Frisch
Haus lässt sich spurlos entfernen

Die einfachere und zum Teil auch günstigere Bauweise ist manchmal die, die auch die Natur schützt. Das zeigt das Haus ohne Beton. Die Bauarbeiten haben begonnen, als die Preise gestiegen sind. Je teurer das Material wurde, desto einfacher wurde die Planung. Vieles wurde daraufhin auch selber gemacht, vorrangig von Takacs und seinem Schwiegervater, aber auch Freunde und Verwandte haben mit angepackt. „Uns war klar, wir wollen an den Materialien nicht sparen, sondern an der Arbeitskraft und das hat geheißen, dass ich und meine Familie halt umso mehr selber machen“, hält Takacs fest. Die Baustelle wurde zu seinem Vollzeitjob, in dem er unter anderem gelernt hat, Lehmputz an den Wänden zu verreiben oder die Fassade selbst zu dämmen.

„Wenn das Haus seine Nutzungsdauer überschritten hat, dann baue ich es ab, schraube die Schraubfundamente raus und es ist der gewachsene Boden da.“

Zur einfacheren Planung gehören auch die Schraubfundamente, die den Boden nicht versiegeln. Wenn das Haus aus irgendeinem Grund irgendwann entfernt wird, dann werden die Schrauben einfach wieder aus dem Boden geholt. „Dass man unser Fundament wieder wegnehmen kann, war jetzt nicht unsere erste Intention. Aber es ist natürlich ein schöner Gedanke, dass man sagt, wenn das Haus seine Nutzungsdauer überschritten hat, dann baue ich es ab, schraube die Schraubfundamente raus und es ist der gewachsene Boden da“, betont Takacs. Das verarbeitete Holz kann, wenn es in einem guten Zustand ist, wiederverwertet werden oder verheizt werden. Der Lehm wird einfach liegengelassen. Der Regen bringt ihn zurück in den Boden.

Haus ohne Beton
Statt ausgemalt hat Rudi Takacs an den Wänden Lehm verrieben. © Markus Englisch

Das Haus ist ungewöhnlich. Die Nachbar:innen hat das zum Teil verwundert. Meistens erkundigen sich Interessierte nach der Fassade. Wann diese denn endlich gestrichen wird. „Wenn wir dann sagen, eigentlich nie, dann ist das der erste Moment, wo die meisten sich umdrehen und gehen“, erzählt Takacs. Die meisten Reaktionen sind aber positiv. Die Menschen sehen, was hinter diesem Haus steht, ist sich Takacs sicher.

Über die/den Autor:In

Nicole Frisch
Nicole Frisch
Nicole studiert Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Das Ziel: Die Weltpolitik verstehen – und das Verstandene mit möglichst vielen Menschen teilen. Ihren Weg in den Journalismus hat sie über die NÖN gefunden. Ihre Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Migration und Vergangenheitspolitik.

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