Luftverschmutzung gefährdet Kinder besonders stark

Verschmutzte Luft ist überall dort, wo auch Kinder und Jugendliche sind. Und das hat mitunter verheerende Folgen für sie. Ein neuer Bericht der Europäischen Umweltagentur zeigt, wie ihre Gesundheit darunter leidet. 

Die Zahlen sind alarmierend: Schätzungsweise 1.200 Kinder und Jugendliche sterben in Europa jährlich an den Folgen hoher Luftverschmutzung. Das zeigt ein neuer Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA). Das Risiko für Asthma und Atemwegsinfektionen steigt, Lungenfunktion und Lungenentwicklung können insbesondere durch Schadstoffe wie Ozon, Stickstoffoxid und Feinstaub langfristig geschädigt werden. Umgeben von der verschmutzten Luft sind die Kinder an vielen Orten, an denen sie sich aufhalten: im Kindergarten, in der Schule, am Spielplatz und beim Ausüben ihrer Hobbys.

Kinder nicht wie „kleine Erwachsene“ behandeln

Luftverschmutzung schadet zwar allen, doch Kinder und Jugendlich sind besonders stark davon betroffen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Ein wesentlicher ist, dass die Organe und das Immunsystem bei ihnen noch nicht fertig entwickelt sind. Hinzu kommt, dass sie anders atmen als Erwachsene. Sie haben eine höhere Atemfrequenz und atmen häufiger durch den Mund ein. Da sie klein sind, atmen sie auch Luft näher beim Boden ein. Dort befinden sich viele Schadstoffe, vor allem aus Verkehrsabgasen. „Um sicherzustellen, dass Luftverschmutzungsrichtlinien und -maßnahmen Kinder und Jugendliche angemessen schützen, ist es wichtig, sie nicht als kleine Erwachsene zu behandeln“, verweist die EEA in ihrem Bericht auf die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern.

Schadstoffbelastung in Italien und Ländern Mittelosteuropas hoch

Für die EEA ist angesichts dieses Ergebnisses klar, was zu tun ist. Zum Schutz der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen muss mehr gegen Luftverschmutzung unternommen werden. Zwar sind die Schadstoffemissionen innerhalb der EU in den letzten Jahren zurückgegangen. Vielerorts ist die Belastung aber immer noch sehr hoch. Das trifft insbesondere auf Italien und Länder Mittelosteuropas zu. Aufgrund der Verbrennung fester Brennstoffe zum Heizen sowie deren Verwendung in der Industrie ist die Feinstaubbelastung in diesen Ländern sehr hoch.

Luftverschmutzung an der Quelle bekämpfen

Maßnahmen braucht es auf EU-, nationaler und lokaler Ebene. Die Luftverschmutzung muss dort reduziert werden, wo sie entsteht. Das heißt: im Verkehr, in der Industrie und beim Heizen. In dem Bericht zeigt die EEA auch, wie man die Luftqualität rund um Schulen verbessern kann. Denn dort halten sich viele Kinder und Jugendliche über mehrere Stunden hinweg auf.

  • Rund um Schulen könnte man beispielsweise Zonen einrichten, in denen die Schadstoffwerte in der Luft niedrig gehalten werden. Das könnte unter anderem durch Verkehrsbeschränkungen erreicht werden.
  • Beim Neubau von Schulen könnte man darauf achten, dass ein Standort ausgewählt wird, der nicht allzu nahe bei Verschmutzungsquellen wie viel befahrenen Straßen liegt. Dabei muss man berücksichtigen, dass die Schule dann nicht zu weit weg von Siedlungsgebieten ist. Denn sonst steigt erst wieder das Verkehrsaufkommen, wenn die Kinder in die Schule gebracht werden.
  • Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen kann man wiederum so gestalten, dass die Schadstoffbelastung für Kinder und Jugendliche möglichst klein gehalten wird. Zum Beispiel, indem man Räume und Bereiche, die stark genutzt werden, nicht auf der zur Straße zugewandten Seite anordnet. Spielplätze kann man durch Gebäude, Mauern und Pflanzen vor Schadstoffen abschirmen.
Erwachsene müssen sich für Kinder einsetzen

Für eine saubere Luft, die Kinder und Jugendliche nicht krank macht, müssen sich die Erwachsenen einsetzen. Denn den Kindern und Jugendlichen fehlt oft das nötige Wissen und Bewusstsein. Zudem haben sie kaum Möglichkeiten, auf den politischen Prozess einzuwirken und ihr Recht auf saubere Umwelt geltend zu machen.

Über die/den Autor:In

Nicole Frisch
Nicole Frisch
Nicole studiert Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Das Ziel: Die Weltpolitik verstehen – und das Verstandene mit möglichst vielen Menschen teilen. Ihren Weg in den Journalismus hat sie über die NÖN gefunden. Ihre Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Migration und Vergangenheitspolitik.

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