Lebensmittel: Verwenden statt verschwenden

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Produktes erst einmal erreicht, wird in Österreich lieber weggeschmissen statt aufgegessen. Dabei heißt abgelaufen nicht gleich ungenießbar. FREDA klärt auf, was hinter dem Datum am Produkt steckt.

Rund ein Drittel der genießbaren Lebensmittel weltweit landet jedes Jahr im Müll. Auch Österreich ist, wenn es ums Lebensmittelverschwenden geht, weit vorne. In einem durchschnittlichen Haushalt wird ein Viertel der eingekauften Lebensmittel weggeworfen, vieles davon ungeöffnet. Umgerechnet sind das fast eine Million Tonnen Nahrung. Doch während wir hier leichtfertig Produkte wegwerfen, leiden weltweit jeden Tag Millionen Menschen an Hunger.

Ist das nicht schon schlimm genug, trägt das Verschwenden von Lebensmittel auch maßgeblich zu den Treibhausgasemissionen bei. Denn durch das Wegwerfen von noch genießbarem Essen, gehen nicht nur wertvolle Ressourcen, die für die Produktion verwendet worden sind, verloren, auch Strom und Gas werden unnötig vergeudet. Dabei kann jede:r Einzelne von uns durch die richtige Handhabe mit Lebensmittel einen wichtigen Beitrag leisten, um weniger Lebensmittel zu verschwenden. Angefangen damit, zu wissen, was das Datum am Produkt genau bedeutet.

Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum und wer legt es fest?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (kurz MHD) gibt den Zeitpunkt an, bis ein ungeöffnetes Lebensmittel bei angemessener Lagerung seine produkttypischen Eigenschaften behält. Dazu zählen die Frische, der Geschmack, das Aussehen, die Farbe, der Geruch und auch der Nährwert des Produktes. Die Hersteller garantieren bis zu diesem Datum für die Qualität und Genießbarkeit des Produkts.

Das MHD legt jeder Hersteller selber fest. Warum? Ganz einfach: Meist kennt der Hersteller das eigene Produkt am besten und weiß, welche Qualität und auch Eigenschaften es hat. Um herauszufinden, wann sich diese ändern, werden Analysen und Lagertests durchgeführt. Anhand derer wird das MHD festgelegt. Auf verpackten Lebensmitteln muss dieses dann mit dem Hinweis „mindestens haltbar bis“ angegeben werden.

Was tun, wenn das MHD abgelaufen ist?

Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, obliegt die Verantwortung, ob das Produkt noch gut ist, nicht mehr beim Hersteller, sondern bei uns Verbrauchenden. Deshalb gilt hier: öffnen und kontrollieren, ob es gut riecht, gut aussieht, ob sich die Konsistenz verändert hat oder ob sich vielleicht Schimmel oder Ähnliches gebildet hat.

Folgende Lebensmittel sind bei angemessener Lagerung auch nach Ablauf des MHD genießbar:

  • Joghurt: mehrere Wochen, wegwerfen bei Schimmel oder schlechtem Geschmack
  • Honig: mehrere Monate, wegewerfen bei Gärung
  • Eier: circa zwei Wochen, wegwerfen bei fauligem Geruch (beim Verzehr von rohen Eiern muss das MHD eingehalten werden)
  • Butter: mehrere Wochen bis hin zu Monaten, wegwerfen bei ranzigem Geschmack
  • Konserven: ungeöffnet mehrere Jahre, wegwerfen bei Schimmel, kaputte Dose, metallischem Geschmack
  • Reis, Nudeln: mehrere Jahre, wegwerfen bei Schädlingsbefall oder säuerlichem Geruch beim Kochen
  • Mehl oder Backpulver: mehrere Monate, wegwerfen bei Schädlingsbefall, muffigem Geruch
  • Tiefkühlgerichte: mehrere Monate, wegwerfen bei ranzigem Geschmack
  • Eingelegtes oder Eingemachtes: mehrere Jahre, wegwerfen, wenn Vakuum nicht mehr intakt ist – dies erkennt man, wenn sich der Deckel eindrücken lässt.
Was ist der Unterschied zum Verbrauchsdatum?

Leicht verderbliche Produkte wie Geflügel, Fisch, Rohmilch oder Faschiertes sind anfälliger für Keime. Deshalb befindet sich auf diesen Waren der Hinweis „zu verbrauchen bis“. Ist das angegebene Datum überschritten, sollte man die Produkte nicht mehr essen.

Dürfen Produkte mit abgelaufenem MHD noch verkauft werden?

Grundsätzlich gilt: Ja. Lebensmittel dürfen im Supermarkt auch nach Ablauf der MHD verkauft werden. Der Verkäufer ist jedoch verpflichtet, zu überprüfen, ob das Produkt noch in Ordnung ist. Häufig werden Produkte mit abgelaufenem MHD zu einem geringeren Preis angeboten. Sie tragen beispielsweise einen “50 Prozent billiger”-Aufkleber oder werden in einem extra Regalabschnitt angeboten.

Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung

Mittlerweile bieten Supermärkte verschiedene Methoden an, um noch gute Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Dennoch landen sie häufig im Müll – verpackt und noch genießbar. Um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken, haben sich in den letzten Jahren immer mehr Initiativen gebildet. Dazu gehören:

  • Too Good To Go: Über eine App bieten mittlerweile über 1.500 Betriebe wie Bäckereien, Restaurants, Cafés und auch Supermärkte ihr überschüssiges, aber einwandfreies Essen zu einem Drittel des Preises an Selbstabholer:innen an.
  • Team Österreich Tafel: Die Team Österreich Tafel ist eine Initiative vom Österreichischen Roten Kreuz und Hitradio Ö3. Bereits seit 2010 sammeln jeden Samstag Freiwillige einwandfreie, aber nicht mehr verkäufliche Lebensmittel, um sie an Menschen in Not auszugeben.
  • soogut Sozialmarkt: Eine Initiative in Niederösterreich, die Menschen, die mit wenig Geld haushalten müssen, an insgesamt zehn Standorten qualitativ hochwertige Lebensmittel und Alltagsgüter zum Drittel des Preises verkaufen.
  • Verein Start Up: In den Foodpoint-Abholstationen des Vereins bekommt man Lebensmittel, die etwas beschädigt sind, aber noch genießbar zu einem Unkostenbeitrag.
  • Foodsharing: Die Organisation sammelt tonnenweise gute Lebensmittel und verteilt sie ehrenamtlich und kostenfrei an Freunde und Bekannte, in der Nachbarschaft, in Obdachlosenheimen, in Abgabestellen für sozial Benachteiligte und über die Plattform foodsharing. Die Fairteiler, öffentlich zugängliche Regale und Kühlschränke, stehen allen zur Verfügung.

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Über die/den Autor:In

Linda Weidinger
Linda Weidinger
Linda hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie CREOLE an der Uni Wien studiert. Die letzten Jahre arbeitete sie als Journalistin und Social Media-Redakteurin. Ihr Ziel: Die Menschen aufzuklären. Ihr Traum: eine offene, tierliebe und tolerante Gesellschaft. Ihre Schwerpunkte: Gerechtigkeit, Klima- und Umweltschutz.

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