Low Carb für Europa

Die Europäische Union ist der weltweit größte Exporteur von Nahrungsmitteln. Trotzdem essen wir anderen Ländern die Grundnahrungsmittel weg. Zu diesem Ergebnis kommt der neue WWF-Bericht “Europe eats the world” und fordert ein Umdenken in der europäischen Landwirtschaft.

Die Umweltschutzorganisation WWF kritisiert in ihren neuen Bericht „Europe eats the world“ Europas Rolle in der weltweiten Lebensmittelversorgung. Die europäische Landwirtschaft sei derzeit eher Nutznießer als Versorger und trage wenig zur weltweiten Ernährungssicherheit bei.

„Derzeit sind wir der teure Supermarkt, nicht die Kornkammer der Welt“

Die Europäische Union exportiert zwar mehr Lebensmittel als sie importiert. Aber hier lohnt sich ein Blick hinter die Zahlen. Wir exportieren vor allem teure Lebensmittel wie Schokolade, Käse, Wein oder Fleisch. Günstige Produkte wie Kakao, Getreide uns Hülsenfrüchte kaufen wir in anderen Ländern ein, vor allem im globalen Süden. „Derzeit sind wir der teure Supermarkt, nicht die Kornkammer der Welt“, sagt WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger. Reine Genussprodukte wie Wein, Spirituosen und Liköre sind im Ranking der EU-Agrarexporte ganz weit oben.

EU importiert Proteine

Betrachtet man nicht den Geldwert der Lebensmittel, sondern stattdessen die Kalorien, sieht die Bilanz anders aus. Die Europäische Union ist hier stark von der restlichen Welt abhängig. Über ein Viertel aller Proteine, die wir essen, kommen beispielsweise von außerhalb der EU.

Entschlossene Nachhaltigkeitswende notwendig

Wenn Europa sein Produktions- und Konsumverhalten ändert, verbessert das die Lage der Welternährung deutlich. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung ist das dringend notwendig. Der WWF fordert daher ein rasches Umdenken in der EU-Landwirtschaft. “Die Tierbestände müssen sinken, der Anteil an Fläche für den Anbau von Getreide, Hülsenfrüchte und Gemüse muss steigen”, sagt die WWF-Expertin.

Um das erreichen, können wir alle mithelfen. Derzeit landet die Hälfte der EU-Getreideproduktion als Futter im Trog. Wenn wir weniger Fleisch essen, bleibt mehr Fläche für den Anbau von Lebensmitteln, die wir direkt essen können.

Über die/den Autor:In

Markus Englisch
Markus Englisch
Markus studierte TV- und Medienproduktion in Wien. Sein größter Antrieb als Journalist ist es, die Klimakrise für alle Menschen begreifbar zu machen. Zuletzt war er als Redakteur bei PULS 4 tätig und leitete das Nachhaltigkeitsmagazin KLIMAHELDiNNEN.

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