Zweierlinie: Chance für eine grüne Prachtstraße

Die Zweierlinie ist einer der meist befahrenen Straßenzüge Wiens. Doch das könnte sich bald ändern. Denn durch den Ausbau von U2 und U5 bietet sich für die anliegende Straße die einmalige Möglichkeit, komplett neugestaltet zu werden. Und das bedeute breite Radwege, großzügige Begrünung und viel Platz für urbane Begegnung. 

Aktuell wird hinter dem Wiener Rathaus auf Hochtouren an der neuen U2 und U5 gebaut. Deshalb ist die Zweierlinie, die direkt an der Baustelle entlangführt, vorübergehend von sieben auf zwei Spuren verkleinert worden. Das befürchtete Verkehrschaos blieb aber aus. Im Gegenteil, selbst mit nur zwei Spuren funktioniert der Verkehr einwandfrei. Die Wiener Grünen sehen darin eine Chance, aus einer stark befahrenen Straße, einen grünen, klimagerechten Platz für die Bevölkerung zu gestalten. Doch was bedeutet das genau?

© bauchplan
Statt Straßenlärm und Abgase, soll es an der Zweierlinie beim Landesgericht künftig viel Grünfläche, Radwege und Platz zum Flanieren geben. © bauchplan
Aus grau wird grün

Wien ist Österreichs Stau-Hauptstadt. Kein Wunder, denn obwohl die Hauptstadt eines der besten Verkehrsnetzwerke Europas hat, ist die Innenstadt nach wie vor voll mit Autos. Der Bau der U2 und U5 bietet aktuell eine einmalige Möglichkeit, dies zu ändern und die Gegend rund um die Zweierlinie neu zu gestalten. Das bedeutet vor allem die sieben Spuren zu reduzieren und so mehr Platz für Grünflächen zu schaffen.

„Es geht um die Frage, wie öffentlicher Raum verteilt wird und wie wir in unserer Stadt zusammenleben wollen.”

Deshalb haben die Wiener Grünen und die Grüne Bildungswerkstatt Wien (GBW) im Zuge einer Studie das Stadtplanungsbüro bauchplan damit beauftragt, die Zweierlinie neu zu planen: „Der U-Bahn-Neubau bietet eine historische Chance für uns alle. Es geht um die Frage, wie öffentlicher Raum verteilt wird und wie wir in unserer Stadt zusammenleben wollen. In unserer Vision bekommen wieder die Menschen Raum und Platz – zur Entfaltung, für den Austausch mit Menschen, ein Platz zum Leben und zum Aufatmen“, sagt Judith Pühringer, Parteivorsitzende der Grünen Wien.

Mehr Platz für Menschen

Bisher gehörten 54 Prozent der Fläche zwischen Landesgerichtsstraße und Karlsplatz den Autos. Ein Umbau der Straße von sieben Spuren auf zwei, soll aus einer grauen Asphaltpiste eine Prachtstraße für die Menschen machen. Das schafft mehr Platz für großzügige Baumpflanzungen, breite Radwege sowie viel Platz zum Flanieren und Picknicken. Der öffentliche Raum wird dadurch besser und anders genutzt: Nur noch 19 Prozent der Fläche ist für Autos vorgesehen, dafür 81 Prozent fürs Flanieren, Radfahren und großzügige Begrünung. Die Aufenthaltsflächen für Sport & Spiel, Multi-Bewegungsräume, Gastronomie werden von 19.400 auf 33.000 Quadratmeter deutlich vergrößert.

Weniger Parkplätze, mehr Grün: So könnte die Zweierlinie rund um das Landesgericht nach dem Umbau ausschauen. © bauchplan
Mehr Grün statt Grau

358 zusätzliche großkronige Bäume und insgesamt 8.000 Quadratmeter neue Grünfläche sollen den Hitzepol im Sommer spürbar abkühlen. Baumalleen entlang der Zweierlinie sowie auch in den Quergassen bieten zudem Platz, um im Schatten zu entspannen. Zusätzlich sollen statt der Autofahrbahnen zwei getrennte Radwege die Radinfrastruktur verbessern. Die Oberflächenversiegelung soll so weit wie möglich reduziert werden. Die Niederschläge können so bei Starkregen besser aufgenommen und gespeichert werden, wodurch das Wasser den Bäumen zur Verfügung steht und die Umgebung abgekühlt wird.

Die Zweierlinie

Die Zweierlinie wurde im 19. Jahrhundert zusammen mit der Ringstraße angelegt. Auf der Ringstraße, als Prachtboulevard, waren Lastenfuhrwerke unerwünscht. Daher wurde die parallel verlaufende Lastenstraße errichtet. Der Begriff Zweierlinie entstand durch die ab 1907 über diese Straße geführte Straßenbahnline 2, deren Nachfolger, die Linien E2, G2 und H2 1980 als U2 unter die Erde verbannt wurden. Der Name hat sich in der Bevölkerung so eingeprägt, dass der gesamte Straßenzug vom Karlsplatz bis zur Universitätsstraße heute immer noch allgemein als Zweierline bekannt ist.

Eine geschichtsträchtige Straße, die es jetzt heißt, umzugestalten. Denn der U-Bahn-Bau bietet die Chance, den öffentlichen Straßenraum für die nächsten Generationen klimafit zu gestalten sowie die Lebensqualität in der Stadt langfristig zu verbessern.

Wie geht es mit dem Projekt weiter? 

Aufgrund der großen Bauarbeiten wird die Zweierlinie beim Landesgericht noch bis mindestens 2027 stark eingeschränkt sein. Die Zeit bis zur U-Bahn-Fertigstellung nutzen die Wiener Grünen, um ihr Projekt publik zu machen. Konkret heißt das: „Der Stadtraum bietet viel Potenzial für die Verbesserung der Aufenthalts- und Lebensqualität der Wiener:innen und der Bewohner:innen des 8. Bezirks. Ziel ist es deshalb, in den kommenden Monaten unser Projekt den Menschen näherzubringen, Ideen zu präsentieren und Meinungen einzuholen. Wodurch wir hoffen, dass vieles von unserem Projekt schlussendlich von der Stadtregierung für die Neugestaltung der Zweierlinie übernommen wird“, so Kilian Stark, Mobilitätssprecher der Grünen.

Wie die Zweierlinie umgestaltet wird, ist von der Stadt Wien noch nicht fixiert worden. Sicher ist allerdings, dass die geschichtsträchtige Straße nach dem Motto „Raus aus dem Asphalt“ komplett neu gestaltet werden wird. Den kompletten Entwurf der Wiener Grünen zur Neugestaltung der Zweierlinie findet ihr hier.

Über die/den Autor:In

Linda Weidinger
Linda Weidinger
Linda hat Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie CREOLE an der Uni Wien studiert. Die letzten Jahre arbeitete sie als Journalistin und Social Media-Redakteurin. Ihr Ziel: Die Menschen aufzuklären. Ihr Traum: eine offene, tierliebe und tolerante Gesellschaft. Ihre Schwerpunkte: Gerechtigkeit, Klima- und Umweltschutz.

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