Blutspenden für alle

Liebe ist Liebe – das hat nun auch die Politik erkannt. Bisher durften homo- und bisexuelle Männer kein Blut spenden, wenn sie innerhalb der letzten zwölf Monate Sex hatten. Ihnen wurde pauschal ein unvorsichtiges Sexualverhalten unterstellt. Die Drei-mal-Drei-Regel beseitigt diesen Ausschluss. Das individuelle Risikoverhalten ist seit 1. September Maßstab für alle.

Blutkonserven sind überlebensnotwendig. Nach Unfällen, während Operationen. Pro Tag werden in ganz Österreich 1.000 Konserven verbraucht. Umso wichtiger ist es, dass alle, die können, auch regelmäßig zur Blutspende gehen. Umso absurder: Bisher durften nicht alle, die wollten. Homo- und bisexuelle Männer wurden in der Praxis pauschal ausgeschlossen. Wollten sie Blut spenden, durften sie davor zwölf Monate keinen Sex haben. Die Begründung: sexuell und über Blut übertragbare Krankheiten würden in dieser Gruppe häufiger auftreten. Haten jedoch heterosexuelle Personen Intimkontakt mit Menschen, die zum Beispiel mit HIV infiziert sind, waren sie im Vergleich dazu nur vier Monate ausgeschlossen. „Eine völlig aus der Zeit gefallene Ungleichbehandlung“ laut Gesundheitsminister Johannes Rauch.

„Blutkonserven sind sicher und sie bleiben das auch.“

Mit dieser Diskriminierung ist nun Schluss. Rauch hat gemeinsam mit Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm im Mai eine Novelle der Blutspendeverordnung angekündigt. „Die Möglichkeit zum Blutspenden wird in Österreich künftig nur mehr vom eigenen Verhalten abhängen und nicht davon, wen man liebt oder wer man ist“, sagte Rauch. Die sogenannte Drei-Mal-Drei-Regel ist der Maßstab, um das Verhalten zu beurteilen.

  • 3×3-Regel: All jene, die innerhalb der letzten drei Monate mit drei verschiedenen Partner:innen Geschlechtsverkehr hatten, dürfen drei Monate lang kein Blut spenden. Geschlecht, Identität und sexuelle Orientierung spielen keine Rolle mehr.
Immer mehr Länder senken Hürden

„Blutkonserven sind sicher und sie bleiben das auch“, versichert Rauch. Das zeigt sich dadurch, dass Österreich nicht das erste Land mit so einer Regelung ist. In Italien, Portugal und Polen zum Beispiel sind Homosexuelle schon seit Jahren mit heterosexuellen Spendenwilligen gleichgestellt. Zuletzt haben immer mehr europäische Länder ihre Richtlinien gelockert. Unter anderem Großbritannien: Dort dürfen homo- und bisexuelle Männer Blut spenden, wenn sie in den letzten drei Monaten mit maximal einem Partner Geschlechtsverkehr hatten. Das Risiko wird individuell bewertet. In Frankreich und Griechenland spielt die sexuelle Orientierung mittlerweile gar keine Rolle mehr – wie in Österreich.

Deutschland beseitigt nicht alle Ungerechtigkeiten

Auch in Deutschland gab es 2021 eine Neuregelung. Alle, die mindestens vier Monate lang keine wechselnden Sexualpartner:innen hatte, dürfen Blut spenden. Aber es gibt trotzdem noch eine Ungleichbehandlung queerer Männer. Haben sie außerhalb einer solchen Beziehung Sexualkontakt, dürfen sie vier Monate lang kein Blut spenden. Für Sexualkontakte zwischen Frauen und Männern gilt dies jedoch nicht. Sie werden nur bei häufig wechselnden Partner:innen ausgeschlossen.

In Österreich ist die jahrelange Diskriminierung seit 1. September Geschichte. Der Fragebogen, den man vor dem Blutspenden ausfüllen muss, wurde auf Basis der neuen Blutspendeverordnung bereits aktualisiert. Nach zwei Jahren wird die Neuregelung evaluiert.

Über die/den Autor:In

Nicole Frisch
Nicole Frisch
Nicole studiert Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Das Ziel: Die Weltpolitik verstehen – und das Verstandene mit möglichst vielen Menschen teilen. Ihren Weg in den Journalismus hat sie über die NÖN gefunden. Ihre Schwerpunkte sind soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Migration und Vergangenheitspolitik.

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