Dürre, Hitzeperioden mit tropischen Nächten, Starkregen oder Waldbrände – jedes Jahr scheint neue Rekorde zu bringen. Dass dahinter der Klimawandel steckt, ist wissenschaftlich längst belegt. Österreich hat sich seit 1900 bereits um durchschnittlich 3,1 Grad Celsius erwärmt. Gleichzeitig fiel heuer um mehr als 30 Prozent weniger Niederschlag als noch in den 1990er-Jahren.

Während wir die Hitze unmittelbar spüren, bleibt die anhaltende Trockenheit oft im Hintergrund. Wetter-Apps werden mehrmals täglich geöffnet, über gesundheitliche Belastungen wird diskutiert und nach Schatten oder Abkühlung wird gesucht. Sinkende Grundwasserspiegel, ausgetrocknete Böden und geschwächte Wälder rücken dagegen meist erst ins Bewusstsein, wenn ihre Folgen sichtbar werden – etwa durch immer größere Waldbrände. Mehr als 80 Prozent davon werden durch menschliches Verhalten ausgelöst und wären damit größtenteils vermeidbar.

Trockenheit mit weitreichenden Folgen

Fachleute aus Landwirtschaft, Hydrologie und Forstwirtschaft warnen seit Jahren vor der zunehmenden Dürre in Österreich. Anders als Hochwasser entwickelt sie sich schleichend und bleibt lange unbemerkt. Ihre Folgen reichen jedoch weit über trockene Felder hinaus: Sie beeinflussen den gesamten Wasserkreislauf – mit Konsequenzen für Trinkwasserversorgung, Ökosysteme, Wirtschaft und Gesellschaft.

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„Wir brauchen dringend eine längerfristige Planung, um mit Dürre umzugehen.“

Gregor Laaha, Boku Wien

„Wir brauchen dringend eine längerfristige Planung, um mit Dürre umzugehen“, sagt Gregor Laaha, Umweltstatistiker und Hydrologe an der BOKU Wien. Gemeinsam mit der GeoSphere Austria, der TU Wien und der Universität Graz untersucht die BOKU derzeit im Projekt „Wasser im Klimawandel“ die Auswirkungen der Klimakrise auf Österreichs Wasserhaushalt. Ein Zwischenbericht wurde Ende Juni veröffentlicht.

Die wichtigste Erkenntnis: Höhere Temperaturen erhöhen die Verdunstung, Böden trocknen stärker aus und immer weniger Wasser versickert ins Grundwasser. Zwischen 1980 und 2010 nahm die Verdunstung um 17 Prozent zu. Seither stieg sie zwar langsamer, allerdings vor allem deshalb, weil vielerorts kaum noch Wasser vorhanden ist, das überhaupt verdunsten kann. Die Grundwasserstände sanken im Durchschnitt um 30 bis 50 Zentimeter. Besonders betroffen ist Ostösterreich, während sich die Lage im Westen deutlich weniger dramatisch entwickelt.

160 Liter Regen pro Quadratmeter fehlen

Von Jänner bis Juni 2026 fiel laut GeoSphere Austria um 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. Um dieses Defizit auszugleichen, müsste es über mehrere Wochen hinweg zusätzlich rund 160 Liter pro Quadratmeter regnen. Doch selbst regelmäßige Sommerniederschläge würden die Situation nur teilweise entspannen, weil aufgrund der hohen Verdunstung ein großer Teil des Wassers die tieferen Bodenschichten gar nicht mehr erreicht.

Niedriger Wasserstand im Achtersee

Die Folgen zeigen sich längst auch in Flüssen und Seen. Bereits im Frühjahr wiesen 90 Prozent der Pegelmessstellen geringere Abflüsse als im langjährigen Mittel auf. Eine Auswertung von Greenpeace zeigte zudem, dass in den meisten österreichischen Flüssen heute weniger Wasser fließt als noch vor 50 Jahren.

Nicht nur Böden und Häuser brauchen Schutz vor Hitze, sondern auch unsere Gewässer. Mehr Beschattung, Begrünung und Renaturierung helfen, Wasser länger in der Landschaft zu halten. Wie ernst die Lage bereits ist, zeigt die untere Lobau: Der WWF warnt dort vor der Austrocknung eines der wertvollsten Augebiete Österreichs.

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Weitere Informationen

Unser versteckter Wasserverbrauch

Für die Trinkwasserversorgung gibt das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserschutz vorerst Entwarnung: Die Versorgung sei stabil und gesichert. Dennoch bleibt ein sparsamer Umgang mit Wasser wichtiger denn je.

Direkt verbraucht jede Person in Österreich durchschnittlich rund 130 Liter Wasser pro Tag. Hinzu kommen etwa 4.700 Liter sogenanntes virtuelles Wasser, das für Lebensmittel, Kleidung und andere Konsumgüter benötigt wird. Gerade hier liegt enormes Einsparpotenzial: Schon durch die Vermeidung von Lebensmittelabfällen lassen sich täglich rund 280 Liter virtuelles Wasser pro Person einsparen.

Der Schlüssel liegt im Boden

Intakte, unversiegelte Böden sind unverzichtbar, um die Folgen der Klimakrise abzufedern. Sie sichern unsere Lebensmittelproduktion, speichern große Mengen Kohlenstoff und wirken wie natürliche Wasserspeicher. Ein Quadratmeter gesunder Boden kann bis zu 200 Liter Wasser aufnehmen.

Wie viel Wasser gespeichert wird, hängt von der Bodenbeschaffenheit ab. Besonders leistungsfähig sind humusreiche Böden mit einem hohen Anteil an organischem Material. Sie nehmen Wasser gut auf und geben es langsam wieder ab.

Wie wirksam naturnahe Maßnahmen sind, zeigt eine WWF-Studie der Universität für Bodenkultur Wien im Marchgebiet des Weinviertels. Untersucht wurden unter anderem Winterbegrünung, die Wiederherstellung von Grünland und Feuchtgebieten, Gewässerrandstreifen sowie Biberdämme.

Das Ergebnis: Wasser bleibt länger in der Landschaft, Niedrigwasserphasen werden abgefedert und der Wasserhaushalt stabilisiert. Jeder Quadratmeter unversiegelter Boden trägt dazu bei, Trockenheit zu mindern und das Mikroklima zu verbessern – im Wald, auf dem Land und in unseren Städten.