Hitze in der Stadt
Der Sommer setzt vielen Menschen mit hohen Temperaturen zu. Weil sich der europäische Kontinent am stärksten durch den Klimawandel erwärmt, nimmt die Anzahl der heißen Tage bei uns jährlich zu. In Städten und Bezirken mit viel versiegelter, zubetonierter Fläche und dichter Bebauung staut sich Hitze besonders stark. Wenig Beschattung, fehlende Bäume ergänzt durch Wärmeproduzenten wie Verkehr, Abluft von Produktion oder Klimaanlagen vergrößern die Hitzebelastung massiv. Das stellt unsere Städte vor große Herausforderungen.
Laut einer Studie der renommierten Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) wird sich der Kühlbedarf in Österreich bis 2050 mehr als verdoppeln. Daher benötigen unsere Städte dringend Strategien, wie Abkühlungsmöglichkeiten genutzt werden können. Regelmäßig sterben in Europa mehr Menschen an den Folgen hoher Temperaturen als im Straßenverkehr tödlich verunglücken.
Abkühlung muss in die Stadt
Hier ist die Stadtplanung gefragt. Sie kann sicherstellen, dass die deutlich kühlere Luft vom Umland ungehindert in die Innenstädte strömen kann. Dafür muss man wissen, von wo die kühlere Luft in die Stadt hereinkommt und welche Wege die bodennah strömende Luft nimmt. Insbesondere nachts sorgt das über so genannte Kaltluftschneisen für erfrischenden Wind. Dazu dürfen die Wege nicht durch Gebäude versperrt werden oder über große Hitzeinseln geleitet werden, um die Luftzirkulation über größere Strecken zu ermöglichen.
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Weitere InformationenAuch die Städteplanung des Umlandes ist wichtig: Kaltluftschneisen funktionieren nur, wenn die Orte der Kühlung außerhalb von Bebauung und Versiegelungen verschont bleiben, sonst wird der Kühlungseffekt an seiner Entstehung gehindert. Dann helfen die aufrechterhaltenen Schneisen in der Stadt wenig, weil es im Umland nicht mehr zu ausreichender Kühlung kommen kann. Österreich ist bekanntlich Europameister in Bodenversiegelung. Zu oft wird fruchtbarer Boden oder Waldfläche in Bauland umgewidmet, damit sich jede Kommune über großflächige Märkte mit Parkplätzen eine potenzielle Steuerquelle erschließt.
Mehr Grün und weniger Beton
Neben den funktionierenden Kaltluftschneisen benötigen wir in Städten und Gemeinden kühlende Oasen, wo sich Menschen gerne aufhalten: mehr Grün, mehr Schatten und mehr Wasser. Bekanntermaßen sorgen große Laubbäume für den effektivsten Kühlungseffekt. Ihr Schatten reduziert das Aufheizen des Bodens und der Umgebungstemperatur. Bei Hitze verdunsten Bäume über ihre Blätter Wasser und kühlen dadurch zusätzlich ihre Umgebung. Aber große Bäume lassen sich nicht herzaubern, wachsen langsam und benötigen Platz für ihre Wurzeln.
Gute Effekte lassen sich erzielen, wenn man Flächen entsiegelt und nach dem Schwamm-Prinzip gestaltet. Wo bislang Asphalt oder Pflaster die Erde bedecken, kann durch Begrünung und wasserdurchlässige Beläge das Regenwasser versickern. Der Boden saugt das Wasser wie ein Schwamm auf und wird an Pflanzen, Nebelduschen oder für Wasserflächen vorgehalten. Die langsame Verdunstung sorgt für spürbare Abkühlung der Umgebungsluft. Ein weiterer Vorteil ist, dass feuchte Böden und gesunde Bäume Schadstoffe besser filtern. Sie bieten zudem Lebensräume und machen Städte robuster und entschärfen Hitzeinseln und unterstützen die Kaltluftschneisen.
Dächer: Begrünt oder in Weiß
Begrünte Dächer wirken auch als natürliche Kühlflächen, die ein Gebäude und sein Umfeld klimatisieren. In dicht bebauten Stadtteilen lässt sich ein merklicher Temperaturunterschied zu nicht begrünten Dächern messen. Neben der Verdunstung (und Dämmung) ließen sie sich auch als wertvolle Dachgärten nutzen. Als Alternative zur Bepflanzung erzielt man mit einem Farbwechsel einen erstaunlichen Unterschied: Dächer in mattem Weiß erreichen einen ähnlich kühlenden Effekt wie begrünte Dächer. Helle Flächen reflektieren mehr Sonnenlicht als dunkle und reduzieren so das Aufheizen der Dachfläche sowie der Umgebungstemperatur. Eingesetzt wird diese Methode der Stadtkühlung bereits in New York, wo Hausdächer immer öfter weiß gestrichen werden. Hier könnten die städtischen Gebäude als Vorbild vorangehen, aber auch Hausbesitzer oder Eigentümergemeinschaften sollten sich an dieses einfache Experiment wagen.






