Gletscher sind die Warnschilder der Klimakrise

Die Klimakrise ist real. Unmengen an wissenschaftlichen Daten bezeugen das. Doch trotzdem wollen es viele Menschen nicht glauben. Sie müssen etwas sehen, um es zu begreifen. Ein Verein möchte deswegen das Gletschersterben in Österreich mit Drohnenvideos genau dokumentieren. Damit wirklich alle sehen können, dass die Klimakrise auch in Österreich angekommen ist.

Angenommen, jemand warnt dich vor einer großen Gefahr. Etwas Gewaltiges kommt direkt auf dich zu. Aber die Umrisse dieser Gefahr sind verschwommen. Du kannst es noch nicht eindeutig sehen. Würdest du der Person trotzdem glauben?

Zumindest einige Menschen würden die Warnung ignorieren. Sie glauben erst, was sie mit eigenen Augen sehen. Misstrauen ist in manchen Lebenssituationen durchaus nützlich, aber bei der Klimakrise könnte es uns zum Verhängnis werden.

Denn die Veränderungen der Klimakrise kommen oft schleichend. Und sie sind nicht überall auf der Welt gleich stark zu spüren. In Österreich geht das Leben auf den ersten Blick normal weiter. Bei uns können die Misstrauischen noch vergleichsweise leicht sagen: „Ich sehe nix.“

Aktueller Gletscherbericht zeichnet düsteres Bild

Doch selbst hierzulande gibt es einen Ort, an dem die Klimakrise in ihrer vollen Härte sichtbar ist. Hoch oben in den Bergen. Die Gletscher der österreichischen Alpen zeigen deutlich, dass sich das Klima verändert, denn in den letzten Jahrzehnten ist das Eis drastisch zurückgegangen.

Der aktuelle Gletscherbericht des österreichischen Alpenvereins zeichnet ein düsteres Bild. 92 von 93 beobachteten Gletschern in Österreich haben von 2022 auf 2023 an Eis verloren. Zwei Gletscher gingen sogar um mehr als 100 Meter zurück. Österreichs größter und bekanntester Gletscher, die Pasterze, ist sogar um 203,5 Meter zurückgegangen.

Gletschersterben nicht mehr aufzuhalten

Der österreichische Alpenverein vermisst Gletscher seit über hundert Jahren. In ihrem Bericht betonen sie, dass das vollständige Abschmelzen bereits unausweichlich ist. Bei der Vorstellung des diesjährigen Gletscherberichts erklärt Gletscherexperte Gerhard Lieb, dass die Gletscher schon seit Jahren mehr Eis verlieren, als sie durch Schneefall dazubekommen. Selbst wenn die Menschheit jetzt sofort mit Klimaschutzmaßnahmen beginnen würde, wäre es zu spät, so der Experte. Unsere Gletscher sind also verloren.

Treibhausgase erhitzen die Erde

Schuld hat die Klimakrise. Oder besser gesagt wir Menschen, weil wir die Klimakrise durch das Ausstoßen von Treibhausgasen ausgelöst haben. Durch die erhöhte Konzentration von CO₂ und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre erhitzt sich die Erde immer schneller. Und das führt zum Schmelzen der Gletscher.

Gletscher als Warnschild

Das Gletschersterben ist tragisch, aber gleichzeitig ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Folgen der Klimakrise. Sie sind groß und massiv, und ihr Rückgang ist leicht zu erkennen. Und zwar für jede:n, ohne Vorwissen und ohne Messgeräte.

Deshalb eignen sich Gletscher so gut, um die Klimakrise begreifbar zu machen. Sie sind ein Warnschild, das so stark leuchtet und blinkt, dass es selbst die misstrauischsten Menschen nicht ignorieren können.

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Ein Projekt zur Dokumentation

Das weiß auch der Verein Gletscher und Klima. Er hat ein Projekt ins Leben gerufen, um das Gletschersterben in Österreich genau zu dokumentieren. Mithilfe von Drohnenvideos, Satellitenbildern und Messungen wollen sie allen Menschen zeigen, wie dramatisch die Situation ist.

Ein Warnschild erfüllt seinen Zweck nur, wenn es auch gesehen wird. Das ist die Idee hinter dem Projekt. Derzeit ist der Verein noch auf der Suche nach Menschen, die sie über Crowdfunding am Projekt beteiligen wollen.

Wir brauchen konsequenten Klimaschutz

Wer sieht, was von den einst mächtigen Gletschern Österreichs noch übrig ist, kann mit „Ich sehe nix“ nicht mehr argumentieren. Die Gletscher bieten uns einen klaren Blick auf die Realität der Klimakrise.

Sie sind das eindrucksvolle, unübersehbare Zeichen, das uns allen zeigt: Die Klimakrise ist hier und jetzt. Wir brauchen endlich konsequenten Klimaschutz.

Über die/den Autor:In

Markus Englisch
Markus Englisch
Markus studierte TV- und Medienproduktion in Wien. Sein größter Antrieb als Journalist ist es, die Klimakrise für alle Menschen begreifbar zu machen. Zuletzt war er als Redakteur bei PULS 4 tätig und leitete das Nachhaltigkeitsmagazin KLIMAHELDiNNEN.

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