Die steigenden Temperaturen durch die Klimakrise erhöhen das Auftreten von Naturkatastrophen und vergrößern damit die durch sie entstehenden Schäden. Zu diesem Ergebnis kommt der Rückversicherer Munich Re nach Auswertung der weltweiten Gesamtschäden im vergangenen Jahr.

Jedes Jahr wertet der Konzern die weltweiten Katastrophenschäden aus. Das macht er regelmäßig seit den 1970er Jahren. Die Ergebnisse braucht die Versicherungsgesellschaft zur Berechnung der Risiken und der Versicherungsbeiträge. Im vergangenen Jahr verursachten Naturereignisse nach diesen Berechnungen weltweite Gesamtschäden von 224 Mrd. US-Dollar (191,6 Mrd. Euro). Das war zwar etwas weniger als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre, doch war dies nach Bewertung der Fachleute des Unternehmens nur ein glücklicher Zufall.

Zahl häufiger auftretender Katastrophen steigt

Stattdessen heben die Geowissenschaftler der Munich Re einen anderen Punkt hervor: Die von sogenannten Sekundärgefahren verursachten Schäden steigen stetig. 2025 war in dieser Hinsicht mit 166 Mrd. Dollar das bisher teuerste Jahr. „Dazu zählen Überschwemmungen, Schwergewitter und Waldbrände, Ereignisse, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit auftreten“, sagte der Klimawissenschaftler Tobias Grimm.

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Sekundärgefahren: Ereignisse, die häufiger auftreten, aber meist lokal begrenzt sind. Sie wurden früher oft unterschätzt, verursachen heute aber aufgrund der steigenden Häufigkeit hohe Gesamtschäden. Beispiele sind schwere Gewitter, Waldbrände und Dürreperioden.

Primärgefahren: Seltene, aber extrem zerstörerische Großereignisse wie schwere Hurrikane und massive Erdbeben.

Im Jahr 2025 entwickelten sich Sekundärgefahren zu den maßgeblichen Treibern der weltweiten Schadensbilanz. Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist der Klimawandel, der extreme Wetterereignisse nachweislich verstärkt und deren Intensität steigert. Dass die finanziellen Belastungen nicht noch gravierender ausfielen, war vor allem dem Umstand zu verdanken, dass viele Regionen in diesem Zeitraum von extremen Großkatastrophen verschont blieben.

Im Jahr 2025 gab es weniger riesige Naturkatastrophen als in anderen Jahren. Deshalb waren es vor allem viele kleinere Unwetter, die die meisten Schäden verursacht haben. Diese Ereignisse werden durch den Klimawandel immer häufiger und schlimmer. Dazu gehören etwa heftiger Hagel, plötzliche Überschwemmungen durch Starkregen oder lange Trockenzeiten, die zu Waldbränden führen. Ein einzelnes Unwetter trifft zwar oft nur einen kleinen Ort, aber weil sie mittlerweile so oft und an so vielen Stellen gleichzeitig vorkommen, kosten sie am Ende insgesamt sogar mehr Geld als ein einzelnes großes Unglück.

Die kostspieligste Naturkatastrophe des vergangenen Jahres waren die Waldbrände in Los Angeles, die 53 Mrd. Dollar Gesamtschäden verursachten, davon 40 Mrd. versichert. 

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„Noch nie hat ein Waldbrand mehr gekostet. Der Planet hat Fieber. Und ein wärmerer Planet begünstigt zerstörerisches Wetter.“

Tobias Grimm, Klimaexperte Munich re

Dass ein Waldbrand 40 Mrd. Dollar versicherter Schäden verursachen könne, hätte man vor wenigen Jahren nicht gedacht. Die Jahre 2023, 2024 und 2025 waren die wärmsten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen.

Hurrikansaison

In den letzten Jahrzehnten waren meist Wirbelstürme für die größten Schäden verantwortlich. Das Jahr 2025 war jedoch eine Ausnahme, da die USA trotz einer aktiven Saison mit vielen starken Stürmen von direkten Treffern verschont blieben. Solche Wirbelstürme entstehen normalerweise ab einer Wassertemperatur von etwa 27 Grad Celsius, die auch 2025 trotz einer leichten Abkühlung im Vergleich zum Vorjahr weiterhin überdurchschnittlich hoch war.

Abseits vom Wetter gab es jedoch andere schwere Katastrophen: Nach den Waldbränden in Los Angeles war ein schweres Erdbeben in Myanmar das zweitteuerste Ereignis des Jahres. Dieses Beben forderte tausende Menschenleben und verursachte Schäden in Milliardenhöhe.

Europa hatte Glück

Nach Weltregionen aufgeschlüsselt wurde – wie üblich – Nordamerika einschließlich der Karibik und Mittelamerikas mit volkswirtschaftlichen Gesamtschäden von 133 Mrd. Dollar am schwersten getroffen. An zweiter Stelle folgten Asien und der Pazifik mit 73 Mrd. Dollar. Europa kam vergleichsweise glimpflich davon, die Munich Re bezifferte die Gesamtschäden auf 11 Mrd. Dollar. Die teuersten Ereignisse waren demnach eine starke Kältewelle in der Türkei mit 2 Mrd. Dollar Schaden sowie Hagelstürme in Frankreich, bei uns in Österreich und in Deutschland, die Werte von 1,2 Mrd. Dollar (1,0 Mrd. Euro) zerstörten. (Red/APA)