Länger leben durch gesundes Essen

Neue Studien zeigen, wie wichtig gesunde Ernährung für ein langes Leben ist. Dabei wirkt sich laut Wissenschaft eine vermehrt pflanzliche Ernährung besonders positiv auf die Gesundheit aus.

„Der Weg zur Gesundheit führt durch die Küche, nicht durch die Apotheke.“ Oder: „Du bist, was du isst.“ Wir kennen sie alle, diese Binsenweisheiten. Sie erinnern uns daran, dass wir gesund essen sollen. Oftmals ist an solchen Weisheiten wenig dran, bei den oben genannten ist das anders. Das bestätigt die Wissenschaft.

Ernährungsstudie mit 120.000 Teilnehmern

Eine neue, großangelegte Studie bekräftigt, dass gesunde Ernährung ein wichtiger Faktor für ein langes Leben ist. Sie wurde von der Forscher:innen der Harvard University durchgeführt und Anfang Jänner im JAMA Internal Medicine veröffentlicht. Das ist ein Fachjournal mit wissenschaftlichen Artikeln zu Medizin und Gesundheit. Die Forscher:innen untersuchten darin die Verbindung zwischen Ernährung und Sterblichkeit. Dafür beobachteten sie 75.230 Frauen und 44.085 Männern bis zu 36 Jahre lang. Keiner der teilnehmenden Menschen litt zu Beginn der Studie an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes.

Alle vier Jahre wurden sie zu ihrer Ernährung befragt. Auf Basis dieser Befragungen bewerteten die Forscher:innen dann jede einzelne Person danach, wie gesund sie sich ernährte. Was sie als gesund und was als ungesund einstuften, entschieden sie mithilfe von vier fix definierten Ernährungsmustern. Diese Ernährungsmuster sind international anerkannt und in vielen Jahren Ernährungsforschung ausgearbeitet worden. Eines dieser Muster ist zum Beispiel eine Variante der traditionellen Mittelmeerdiät und nennt sich Alternate Mediterranean Diet, kurz aMed. Wer sich an dieses Ernährungsmuster hält, isst viele pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse und kleine Mengen an Fisch und Geflügel.

Wer gesund isst, stirbt später

Die Ergebnisse dieser langjährigen Beobachtung sind eindeutig. Jene 20 Prozent, die sich am gesündesten ernährten, wiesen eine deutlich niedrige Sterblichkeit auf als jene 20 Prozent, die sich am ungesündesten ernährten. Die Sterblichkeit der Gesund-Esser:innen lag um 14-20 Prozent niedriger als jene der Ungesund-Esser:innen. Salopp formuliert heißt das: Von den 120.000 Menschen, die man über Jahrzehnte für die Studie begleitet hat, sind mehr von jenen gestorben, die sich ungesund ernährt haben. Auch als sich die Forscher:innen einzelne Todesursachen angesehen haben, ist das gleich geblieben. Egal ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Atemwegserkrankungen. Die Gesund-Esser:innen hatten bei jeder Erkrankung ein geringeres Risiko zu sterben.

Seltener Darmkrebs mit pflanzlicher Ernährung

Ende November 2022 ist im Online-Fachjournal BMC Medicine eine ähnliche Studie von südkoreanischen und US-Wissenschafter:innen erschienen. Dort hat man sich die Verbindung zwischen pflanzlich-basierter Ernährung und der Häufigkeit von Dickdarmkrebs angesehen. Auch dabei handelt es sich um eine Langzeit-Beobachtung mit einer sehr großen Teilnehmergruppe. Die Forscher:innen werteten Daten von 79.952 Männer und 93.475 Frauen im Alter von rund 60 Jahren aus.

Dabei haben sie sich angesehen, welche Lebensmittel die einzelnen Teilnehmer im vergangenen Jahr gegessen haben. Die Lebensmittel wurden dabei in drei Gruppen eingeteilt: In tierische Lebensmittel (tierische Fette, Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch), weniger gesunde pflanzliche Lebensmittel (raffiniertes Getreide, Fruchtsäfte, Kartoffeln, raffinierter Zucker) und gesunde pflanzliche Lebensmittel (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, pflanzliche Öle, Nüsse, Hülsenfrüchte).

Dickdarmkrebs ist weltweit die dritthäufigste Krebserkrankung und die vierthäufigste Krebs-Todesursache. © AdobeStock

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass eine gesunde pflanzliche Ernährung mit einem geringeren Darmkrebsrisiko verbunden ist. Die Forscher:innen entdeckten allerdings einen Unterschied bei den Geschlechtern. Männer, die den höchsten Anteil an gesunden pflanzlichen Lebensmitteln zu sich nahmen, konnten ihr Darmkrebsrisiko um bis zu 22 Prozent senken. Bei den untersuchten Frauen zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied. Der Grund dafür könnte in dem generell deutlich geringeren Darmkrebsrisiko von Frauen liegen.

Antioxidantien könnten der Schlüssel sein

Forscher:innen vermuten, dass die in Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukten enthaltenen Antioxidantien für diesen positiven Effekt verantwortlich sein könnten. Das sind Substanzen wie beispielsweise Vitamin C, Beta-Carotin und Selen. Sie können die Zellen des Körpers vor Schäden durch sogenannte freie Radikale schützen. Das sind Moleküle, die durch Umweltfaktoren wie UV-Strahlung, Tabakkonsum, aber auch durch den normalen Stoffwechsel im Körper entstehen. Freie Radikale können dazu beitragen, dass sich Zellen unkontrolliert teilen. Das begünstigt die Entstehung von Krebs.

Vorteile pflanzlicher Ernährung

Auch eine weitere großangelegte Studie legt Vorteile eine Ernährungsweise mit vielen pflanzlichen und wenigen tierischen Lebensmitteln nahe. Die sogenannte Adventist Health Study 2 (AHS-2) läuft seit 2002 mit fast 100.000 Menschen. Sie untersucht das Verhältnis von Ernährung, Lebensstil und Gesundheit bei US-amerikanischen Adventisten:innen. Das ist eine Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder weder Rauchen noch Alkohol oder Kaffee trinken. Dadurch lassen sich die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Ernährung unverfälscht untersuchen. Vorläufige Ergebnisse der AHS-2 zeigen, dass jene Adventist:innen, die sich hauptsächlich von pflanzlichen Lebensmitteln ernähren, ein um 20-30 Prozent niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben im Vergleich zu Adventist:innen, die sich hauptsächlich von tierischen Lebensmitteln ernähren.

Weniger Diabetes und Bluthochdruck unter Veganer:innen

Die bisherigen Daten zeigen außerdem: Je mehr pflanzliche Lebensmittel jemand aß, desto geringer war sein Risiko für Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Bluthochdruck. Zudem zeigten jene Menschen, die sich vegan ernährten, ein halb so hohes Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, verglichen mit Fleisch essenden Adventist:innen.

Es gibt noch weitere größere Studien, die zur Ernährung durchgeführt wurden und wo auch eine vegane Lebensweise untersucht wurde. Etwa die EPIC-Oxford Study. Auch sie kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Die Wissenschaft ist sich also einig: Eine ausgewogene und vorwiegend pflanzliche Ernährung hat zahlreiche Vorteile für die Gesundheit.

Über die/den Autor:In

Markus Englisch
Markus Englisch
Markus studierte TV- und Medienproduktion in Wien. Sein größter Antrieb als Journalist ist es, die Klimakrise für alle Menschen begreifbar zu machen. Zuletzt war er als Redakteur bei PULS 4 tätig und leitete das Nachhaltigkeitsmagazin KLIMAHELDiNNEN.

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