Die Rote Liste betrifft nicht nur Tiere und Pflanzen. Auch Österreichs Lebensräume sind massiv bedroht. Warum Biotope so wichtig sind und was wir verlieren, wenn sie verschwinden.

Wenn von der „Roten Liste“ die Rede ist, denken die meisten von uns sofort an bedrohte Tierarten – vielleicht noch an seltene Pflanzen. Doch wusstest du, dass es in Österreich auch eine Rote Liste gefährdeter Biotope gibt? Also eine Art Gefährdungsbericht für ganze Lebensräume? Die wenigsten kennen sie. Dabei entscheidet sich genau hier, wie es in Zukunft um unsere Natur steht.

Ein Grund für die Unbekanntheit liegt wohl auch darin, dass viele mit dem Begriff „Biotop“ nicht viel anfangen können. Oft wird damit einfach ein Teich oder ein kleines Naturschutzgebiet bezeichnet. Tatsächlich ist ein Biotop viel mehr: Es ist ein abgrenzbarer Lebensraum, in dem Pflanzen, Tiere und andere Organismen unter bestimmten Bedingungen zusammenleben. Ob der Boden nährstoffreich oder karg ist, ob ein Hang zur Sonne zeigt, ob ein Bach vorbeifließt oder der Mensch die Fläche nutzt – all das prägt die „kleine Welt“ eines Biotops.

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Ein Biotop ist ein klar abgegrenzter Lebensraum, in dem bestimmte Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen vorkommen. Der Begriff bedeutet wörtlich „Ort des Lebens“. Ein Biotop beschreibt dabei vor allem die unbelebten Umweltbedingungen wie Boden, Wasser, Licht, Temperatur und Klima. Die darin lebenden Organismen bilden zusammen die Lebensgemeinschaft, die als Biozönose bezeichnet wird. Erst das Zusammenspiel von Biotop und Biozönose ergibt ein Ökosystem. Beispiele für Biotope sind Wälder, Wiesen, Moore, Teiche oder auch Stadtparks. Biotope sind wichtig, weil sie Lebensräume für Artenvielfalt bieten und zur Stabilität von Naturhaushalt und Klima beitragen.

Gerade in abwechslungsreichen Regionen wie zum Beispiel der Wachau liegen viele unterschiedliche Biotope oft dicht nebeneinander. Auf wenigen Quadratkilometern finden sich Trockenrasen, Wälder, Weingartenlandschaften, Uferzonen oder Wiesen – und jedes dieser Biotope beherbergt seine eigenen Lebensgemeinschaften. Diese kleinteilige Vielfalt macht Landschaften lebendig – und zugleich verletzlich.

In der Wachau liegen viele unterschiedliche Biotope dicht nebeneinander
Bedrohte Biotope – bedrohte Arten

Die Bilanz ist ernüchternd: Laut Umweltbundesamt gelten 75 Prozent der 383 Biotoptypen Österreichs als gefährdet, fünf sind bereits vollständig verschwunden. Was abstrakt klingt, hat ganz konkrete Folgen. Viele Tier- und Pflanzenarten sind auf ganz bestimmte Lebensräume angewiesen. Verschwindet ihr Biotop, verschwindet oft auch die Art. Mehr gefährdete Biotope bedeuten also automatisch mehr gefährdete Tiere und Pflanzen.

Besonders dramatisch ist die fortschreitende Versiegelung von Böden. Österreich verbaut pro Kopf mehr Fläche als jedes andere EU-Land. Was einmal asphaltiert ist, verliert seine natürlichen Funktionen – Wasser kann nicht mehr versickern, Böden können keine Lebensräume mehr bieten. Was für uns wie „nur eine Wiese“ oder „ein unauffälliger Graben“ aussieht, ist für viele Arten ein unverzichtbarer Rückzugsort.

Schutz und Renaturierung

Die gute Nachricht: Geschädigte Lebensräume lassen sich oft wiederherstellen. Genau hier setzt das EU-Renaturierungsgesetz an, das die Mitgliedsstaaten verpflichtet, Naturflächen in einen besseren Zustand zu bringen. Renaturierung, Entsiegelung und bewusster Bodenschutz sind keine Luxusprojekte – sie sind Investitionen in unsere Zukunft. Denn jedes geschützte Biotop schützt letztlich auch uns selbst.