In Österreich werden zu wenige Maßnahmen gesetzt, um Verkehr zu vermeiden und zu reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Verkehrsclub Österreich. Um Autoverkehr zu verringern, sehen die Fachleute die größte Wirkung beim Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und der Radinfrastruktur.

„Zu viel Autoverkehr macht niemandem eine Freude: Anrainerinnen und Anrainer werden durch Abgase und Lärm belastet, Autofahrerinnen und Autofahrer stehen öfter im Stau und die Umwelt wird stärker verschmutzt. Umgekehrt profitieren viele, wenn es gelingt, den Verkehr zu verringern. Die Luft wird sauberer und gesünder, weniger Lärm bringt mehr Lebensqualität und bei weniger Staus kommen jene, die aufs Auto angewiesen sind, schneller ans Ziel“, stellt VCÖ-Expertin Katharina Jaschinsky fest.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hat in einer umfassenden Befragung unter Fachleuten erhoben, welches Potenzial die Verkehrsvermeidung zur Reduktion von Verkehrsproblemen hat und welche Maßnahmen besonders wirksam sind.

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An der Online-Umfrage von September bis November 2025 haben 435 Fachleute aus 382 Organisationen und Abteilungen aus den Bereichen Forschung, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Interessenvertretungen und Zivilgesellschaft teilgenommen. Die VCÖ-Fachpersonenbefragung wurde im Rahmen des Forschungsprojekts Connect4SmartMoves durchgeführt. Connect4SmartMoves ist ein gemeinsames Projekt von VCÖ und dem Verein CLIMEET und wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG gefördert.

Zu wenige Maßnahmen

Drei Viertel der Fachleute sagen, dass in Österreich zu wenige Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung gesetzt werden. Dabei würde Verkehrsvermeidung vielfache Vorteile bringen. Den größten Vorteil sehen die Expertinnen und Experten in der Reduktion der Schadstoff- und Lärmbelastung sowie der CO₂-Emissionen, gefolgt von der Attraktivierung von Ortskernen und Stadtzentren und der Reduktion des Energieverbrauchs. Die Befragung zeigt, dass das größte Potenzial bei regelmäßig zurückgelegten Wegen liegt, besonders bei Arbeits-, Schul- und Ausbildungswegen. Auch bei dienstlichen Fahrten und Freizeitverkehr sieht die Mehrheit großes Potenzial zur Verkehrsreduktion. Hol- und Bringdienste sowie Einkaufsfahrten bieten laut den Fachleuten den geringsten Spielraum.

Ausbau von Öffis und Radwegen

Als wirksamste Mittel zur Verkehrsreduktion gelten der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs und gezielte Raumplanungsmaßnahmen. 82 Prozent sehen im Öffi-Ausbau ein sehr großes Potenzial, weitere 15 Prozent ein eher großes Potenzial. Im Ausbau der Infrastruktur für Gehen und Radfahren sehen 75 Prozent der befragten Fachleute ein sehr großes Potenzial zur Reduktion von Autofahrten und weitere 19 Prozent ein eher großes Potenzial.

Und die große Mehrheit der Expert:innen – nämlich 72 Prozent – weist auf das sehr große Potenzial einer Raumplanung der kurzen Wege hin. Rund zwei Drittel sehen sehr großes Potenzial für weniger Autoverkehr durch eine bessere Nahversorgung, durch strengere Vorschriften bei der Umwidmung von Grünland in Bauland, durch eine Reform der Stellplatzverordnung und die Reduktion von Parkplätzen sowie durch eine Reform der Pendelpauschale.

Bei selbstfahrenden Fahrzeugen sehen Experten nur dann Potenzial zur Verkehrsreduktion, wenn sie auf den Öffentlichen Verkehr beschränkt werden. Selbstfahrende Privatautos könnten laut der Mehrheit der Fachleute hingegen zu einer Zunahme des Verkehrs führen.

Politik trägt Verantwortung

Der VCÖ hat auch gefragt, woran derzeit Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung scheitern. 70 Prozent sehen fehlenden politischen Willen und unzureichende gesetzliche Rahmenbedingungen als sehr großes Hindernis für Verkehrsvermeidung, 57 Prozent den Widerstand wirtschaftlicher Interessen und 56 Prozent die Umsetzung kontraproduktiver Maßnahmen, die zu mehr Verkehr führen. Dazu zählen unter anderem der Bau neuer Autobahnen, Zersiedelung und klimaschädliche Förderungen wie die Steuerbegünstigung für Diesel und für die private Nutzung von Dienstwagen. Die Hauptverantwortung, Maßnahmen zu setzen, sehen die Fachleute bei der Politik. (Red/VCÖ/APA)